Fantasy Filmfest Nights – Sonntag

13:00 ALONE
Und plötzlich ist Leila ganz allein und die 500.000-Einwohner-Stadt, in der sie lebt, sieht wie Hals über Kopf verlassen aus. Sie trifft nach einiger Zeit auf weitere Jugendliche, die alle die gleiche Geschichte erzählen: sie sind früh morgens aufgewacht und alle waren weg. Ich bin völlig geflasht aus diesem Film gekommen und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu loben. Der Cast ist toll, die Bilder sind großartig, die Geschichte ist fesselnd und die Figuren und die Freundschaft, die zwischen ihnen entsteht … und ich hab mich die ganze zeit gefragt, wie die Auflösung sein würde, ich hatte keine Idee, und dann fallen die Puzzlesteine doch alle an ihren Platz. Hier passt alles. Die anderen Filme werden es heute schwer haben, das noch zu toppen • mehr auf fantasyfilmfest.com 

15:00 BERLIN SYNDROME
Die Australierin Clare, als Backpackerin in Berlin, findet nach einem One-Night-Stand mit dem charmanten Lehrer Andi am nächsten Morgen dessen Wohnungstür mit einem Stahlriegel versperrt vor. Er hat sie eingeschlossen. Anfangs hält sie das noch für ein Versehen, aber schon bald stellt sich heraus, dass es keines war. Andi, gespielt von Max Riemelt, hat beschlossen, dass sie jetzt ihm gehört. Max Riemelt ist mir zuerst in Sense8 aufgefallen. Er gibt hier den kontrollbesessenen Psychopathen mit einer Intensität, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Bilder und der Soundtrack tun ein übriges. Mir ist der Film mit knapp zwei Stunden ein bisschen lang geraten, hat mir aber über weite Strecken sehr gut gefallen. • mehr auf fantasyfilmfest.com 

17:30 THE LIMEHOUSE GOLEM
Und vom Berlin des 21. Jahrhunderts geht es ins London des späten 19. Jahrhunderts, wo ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Opulent ausgestattet und mit einer tollen weiblichen Hauptrolle…. und leider sehr schwer verständlichem Englisch. Den Plot hab ich wohl verstanden, aber mir werden einige Feinheiten entgangen sein. Umso mehr freut es mich, dass dieser Film am 7. September in die deutschen Kinos kommt. • mehr auf fantasyfilmfest.com

19:45 THE BELKO EXPERIMENT
Mit den Worten „Willkommen zum abgefuckten Bürofilm von James Gunn“ wurde uns diese Perle von einem Blutbad anmoderiert. Der ganz normale Officewahnsinn trifft hier auf den aus der Psychologie bekannten Weichenstellerfall, allerdings multipliziert mit dreißig. Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Homeoffice! • mehr auf fantasyfilmfest.com

21:45 THE BAR
Bei Alex de la Iglesia wird Hysterie zur Kunstform, und er wartet auch diesmal mit schrägen Figuren, absurder Komik und ekligen Details auf. Genau wie erwartet und ein würdiger Rausschmeißer Nach diesem Film hätte man gern Erfrischungstücher reichen dürfen. Das war’s mit den Fantasy Filmfest Nights für dieses Jahr. I’ll be back (<- bitte mit österreichischem Akzent lesen) • mehr auf fantasyfilmfest.com

Fantasy Filmfest Nights – Samstag


Dieses Jahr bin ich mal wieder dabei, und das auch gleich mit Dauerkarte. Zehn Filme werden gezeigt, alle nacheinander und nicht mehr parallel, so wie es in den letzten Jahren üblich ist und im Savoy-Kino auch gar nicht anders geht, denn die haben nur einen Saal. Das Kino ist toll, die Sitze bequem, das Foyer, in dem ich mich die Viertel- bis halbe Stunde zwischen den Filmen aufgehalten habe, gemütlich. Die Lage am Steindamm … nun. Nicht so schön. Aber dafür ist hoffentlich die Miete günstig. Ich war gestern doch ein bisschen überrascht, wie schlecht das Festival besucht ist.
Kommen wir zu den Filmen. Eine ausführliche Rezension kann und will ich hier gar nicht bieten, da gibt es genug Leute, die das besser können als ich. Ich schildere hier nur knapp meine Eindrücke, so, wie sie zwischen zwei Filmen aus mir herausfallen.

14:00 PET
Seth begegnet auf dem Heimweg von seiner Schicht im Tierheim Holly, seinem Highschool-Schwarm von früher. Er versucht, ein Date zu kriegen, kassiert eine Abfuhr, findet raus, wo sie wohnt, entführt sie und sperrt sie im Keller des Tierheims in einen Käfig. Soweit keine sonderlich überraschende Eröffnung, sozusagen „Bauer auf E 4“. Dann entspinnt sich zwischen den beiden ein fesselndes Psychospiel, dessen Verlauf ich so nicht erwartet hätte. Die beiden Hauptdarsteller spielen hervorragend zusammen die Dialoge sind auf den Punkt, hier stimmt alles. Besonders Ksenia Solo als Holly hat mir sehr gut gefallen. Empfehlung • mehr auf fantasyfilmfest.com

16:00 SWEET, SWEET LONELY GIRL
Schwer, Worte dazu zu finden, diesen Film muss ich wirklich noch ein bisschen sacken lassen. Die Stimmung hat mir gefallen, und der Regisseur sagte im anschließenden Q&A, dass die Stimmung auch das ist,worauf es ihm bei seiner Arbeit ankäme. Also dass der Plot hinter der Stimmung zurücksteht. Manche Leute mögen das nicht, er schon. Ich auch. Und wieder eine tolle weibliche Hauptrolle. Jetzt geht es weiter mit Vampirklamauk. Ich hätte gern noch ein halbes Stündchen Pause zum Nachsinnen, aber das gibt der Zeitplan nicht her. Schade. • mehr auf fantasyfilmfest.com

18:00 EAT LOCAL
Ich weiß nicht, woran es genau lag, aber leider hat dieser Film für mich nicht so recht gezündet. Und da – abgsehen von ein paar vereinzelten Lachern – keine Partystimmung im Kino aufkommen wollte, ging es wohl nicht nur mir so. Der Titel (auf dem Plakat am Ende mit einem blutig hingesplatterten S komplettiert) ist drollig, hat aber mit dem Inhalt im Grunde nichts zu tun. Die Figuren sind lustig, bleiben aber insgesamt zu flach (auch hier gibt es drei starke Frauenrollen, insgesamt scheint heute der Frauentag des Festivals zu sein). Dennoch: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine nette weißhaarige Dame mit Automatikwaffe noch keinen gelungenen Klamaukfilm. Die Handlung ist gerade eben rudimentär vorhanden. Es ist ein Stückwerk aus Ideen, das nicht so recht zusammenpassen mag. Und wenn jemand in der Beschreibung den britischen Humor lobt, hängt das meine Erwartungslatte ziemlich hoch. Einige Filme konnten die in den letzten Jahren auch reißen (Sightseers und Cockneys vs. Zombies fallen mir aus dem Stand ein, oder auch sämtliche Filme mit Simon Pegg) – dieser leider nicht. • mehr auf fantasyfilmfest.com

Ich habe jetzt eine willkommene Pause bis 20.15h, dann geht es mit Zombieapokalypse weiter. Bis dahin werde ich noch auf Sweet, Sweet Lonely Girl herumdenken.

20:15 IT STAINS THE SANDS RED
Endlich ein bisschen Partystimmung! Diesen Film trägt eine fantastische Brittany Allen, und zwar ganz allein. Stockholm Syndrome with a twist. Und Tamponwerbung. Mehr wird aber nicht verraten. Der Film ist ihr von den Vicious Brothers auf den Leib geschrieben worden, und die wussten, warum. Ich jetzt auch. Empfehlung!  • mehr auf fantasyfilmfest.com

22:30 GOING TO BRAZIL
Hier habe ich nach einer halben Stunde abgebrochen, also nach der Sexparty mit Todesfall und vor der Hochzeit bzw. dem bis an die Zähne bewaffnet im Bikini um die Häuser ziehen. Ich war von vornherein unschlüssig, ob mich dieser Film wirklich interessiert, aber mit einer Dauerkarte kann man ja mal gucken. Hab geguckt. Hat nicht gezündet. Zudem haben die Tatsache, dass es sich um eine französische Originalfassung mit englischen Untertiteln handelte sowie die Aussicht, nach Filmende 30 min auf die nächste U-Bahn warten zu müssen, die Entscheidung erleichtert: ab nach Hause. Heute geht’s weiter.  • mehr auf fantasyfilmfest.com

Fantasy Filmfest 2013 – Montag

Ich habe getrödelt. Das Filmfest ist fast einen Monat vorbei, und es gibt noch immer ein paar Eindrücke (Rezensionen sind es ja nicht wirklich) zu teilen.

Fangen wir an mit HAUNTER von Vincenzo Natali. Cube, Cypher und vor allem Nothing mochte ich sehr. Und in der Hauptrolle Litte Miss Sunshine Abigail Breslin. Eine Haunted-House-Geschichte aus Sicht eines Geistes. Lisa – gespielt von Breslin – und ihre Familie sind schon seit Jahren tot und in ihrem Haus gefangen. Außer Lisa scheint sich daran aber niemand zu stören. Sie durchlebt nun immer wieder den Tag vor ihrem sechzehnten Geburtstag und versucht, herauszufinden, was mit ihrer Familie damals passiert ist. Ich hatte – vermutlich der Sprache wegen – an einigen Stellen ein wenig Mühe zu folgen, die Idee hat mir gut gefallen und die Umsetzung fand ich auch gelungen.

Als Nächstes folgte THE PHILOSPHERS. Der verlangt einem dann doch nicht so viel Kopfarbeit ab, wie ich es mir nach der Beschreibung erhofft hatte – dort heißt es: „Stell Dir vor, der nukleare Ernstfall tritt ein und im Atombunker ist nur Platz für zehn Personen – es sind jedoch 21 Menschen vor dem sicheren Tod zu retten. Wie würdet ihr entscheiden?“ und dieses Szenario wird dreimal unter unterschiedlichen Bedingungen durchgespielt. Das ist spannend, weil es nicht im Klassenzimmer gezeigt wird, sondern inszeniert ist. Mir waren die Charaktere etwas zu schablonenhaft, aber die Bilder waren sehr schön und ich mag solche Fragestellungen.

Fantasy Filmfest 2013: Das Wochenende

Vincent Lannoo beim Q&AUm 13.00 Uhr hatte ich am Samstag die Wahl zwischen JUG FACE und ANIMALS – keine leichte Entscheidung, keiner von beiden wird wiederholt, letztenendes habe ich mich für ersteren entschieden – wegen Lauren Ashley Carter und Sean Bridgers, die ich vorletztes Jahr zusammen in THE WOMAN gesehen hatte. Besonders die Wandlungsfähigkeit von Bridgers hat mich beeindruckt, den hab ich ja überhaupt nicht wiedererkannt. In THE WOMAN hat er das machtbesessene, gewalttätige Familienoberhaupt gespielt, ein Arschloch vor dem Herrn, hier ist er Dawai, der etwas zurückgebliebene Töpfer einer Hinterwäldlerkommune, die zu einer Grube im Wald betet. Und ihr opfert, und zwar immer das Mitglied der Kommune, dessen Gesicht der von Dawai in Trance hergestellte Krug trägt. Die (von ihrem Bruder) schwangere Ada, gespielt von Carter, erkennt eines Tages ihr Gesicht im nächsten Krug und lässt das Ding verschwinden, aber damit macht sie es sich ein bisschen zu einfach, denn die Grube will das Opfer, das ihr zusteht. Ich hätte dem Film ein anderes Ende gewünscht, fand ihn aber sonst recht gut, es ging teilweise recht blutig zur Sache und die bedrückende, ausweglose Stimmung kam sehr gut rüber.

Dann ging es weiter mit APP. Hier war der Zuschauer angehalten, vor dem Film eine App auf seinem Smartphone zu installieren, um in den Genuss der sogenannten Second-Screen-Technologie zu kommen. Ich hab mich dem verweigert, weil ich finde, dass Handys während des Films in den Flugmodus versetzt und in die Tasche gesteckt gehören, da bin ich auch nicht verhandlungsbereit. Einige der anderen Kinobesucher haben sie aber natürlich benutzt, so dass ich meine zugegebenermaßen vorhandene Neugier ein bisschen befriedigen konnte. Die meiste Zeit war ein schlauerweise recht dunkel gehaltener Bildschirm zu sehen, und hin und wieder wurden, ausgelöst durch den Filmton, alternative oder ergänzende Szenen gezeigt. Ich konnte da nun keinen echten Mehrwert erkennen, aber es hat auch nicht wirklich gestört. Ich find’s grundsätzlich keine gute Idee, die Leute dazu zu ermutigen, während des Films mit ihrem Telefon herumzuhühnern, aber sei’s drum. Der Film selbst war zu Anfang recht spannend. Anna findet nach einer durchfeierten Nacht eine App auf ihrem Telefon. Sie nennt sich Iris (das Palindrom von Siri, was uns schon mal einen Eindruck davon vermittelt, wie subtil hier zu Werke gegangen wird, nämlich gar nicht) und kann Fragen beantworten, lässt sich jedoch nicht löschen und fängt irgendwann an, Anna und ihr Umfeld zu terrorisieren. Leider war mir sofort klar, wie die App auf ihr Telefon gekommen ist, und wenn ich die Handlung an einigen Stellen nicht vorhersehen konnte, dann deshalb, weil sie so haarsträubend unlogisch war. Ebenso wie dieser Charakter Anna: wer grad begriffen hat, dass eine App auf dem eigenen Smartphone einem Böses will und außerdem begriffen hat, dass diese App in der Lage ist, die Technik um einen herum zu beeinflussen (Schnittstellen sind was für Anfänger) und trotzdem den Fahrstuhl nimmt statt der Treppe, ist wirklich selbst schuld. Die Actionheldinnenqualitäten, die sie dann völlig unvermittelt an den Tag legte, sorgten bei mir für weiteres Kopfschütteln. Müsste ich den Film mit einem Wort zusammenfassen, wäre das wohl „unausgegoren“. Obwohl die Idee, die Zuschauer eine App installieren zu lassen, und dann die Hauptfigur mit „dieser“ App zu tyrannisieren, einen gewissen doppelbödigen Charme hat.

Es folgte I DECLARE WAR, noch ein Film von Jason Lapeyre, dessen COLD BLOODED mir am Donnerstag sehr gut gefallen hatte. Eine Gruppe Zwölfjähriger spielt im Wald Krieg, mit Zwille, Stöckern und Wasserbomben, die in der Fantasie (und auf der Leinwand) zu Armbrust, Gewehren und Handgranaten werden. Die schauspielerische Leistung der Kids hat mich sehr beeindruckt, und ich fühlte mich zeitweise in meinen Wald versetzt, in dem ich herumgetobt habe und auf Bäume geklettert bin. Und letztenendes hat es mich – und da bleibe ich jetzt bewusst vage – daran erinnert, warum meine Freunde meine Freunde sind. Im Programmheft steht was von „Herrn der Fliegen für eine neue Generation“ – das teile ich nicht.

Um 19.15 dann IN THE NAME OF THE SON in Anwesenheit des Regisseurs Vincent Lannoo, der hinterher noch zum Q&A zur Verfügung stand (daher stammt das Foto). Es war recht voll und ich war hier zum ersten Mal vom Publikum genervt. Der Film wurde als schwarze Komödie angekündigt, weswegen das Publikum möglicherweise meinte, jeden zweiten Satz mit schenkelklopfendem Gelächter quittieren zu müssen, und es war um mich herum auch sonst ziemlich unruhig, so mit „krass Alta!“ und ähnlichen Äußerungen. Ich hab’s nicht verstanden. Der Film ist meines Erachtens in dem Sinne eine Komödie, in dem Hagen Rether ein Comedian ist. Mir sind etliche Lacher im Hals steckengeblieben, dafür erschienen mir viele Dialoge einfach zu echt, fast dokumentarisch (was Lannoo hinterher bestätigte). Trotzdem oder gerade deswegen ein toller Film mit einer großartigen Hauptdarstellerin, wieder ein sehr interessantes Q&A, das, wenn ich das richtig mitbekommen habe, noch im kleineren Kreis an die Bar verlegt wurde – ich habe kurz überlegt, mich anzuschließen, aber mein Dartverein hatte Sommerfest und ich hatte zugesagt, dort noch kurz vorbeizuschauen. Das waren am Samstag also vier Filme hintereinander, und ich glaube, das ist mein persönliches Limit.

Am Sonntag habe ich dann meinen ersten Bollywood-Film gesehen. MAKKHI, eine Rachegeschichte mit viel Musik, Tanz und Gesang. Jani ist verliebt in Bindu. Sie hält ihn hin, ist aber eigentlich auch verliebt in ihn. Als Sudeep Bindu das erste Mal sieht, beschließt er, sie zu erobern, denn alle Frauen tanzen nach seiner Pfeife. Dass er bei ihr nicht landen kann, weil sie nur Augen für Jani hat, reizt ihn natürlich umso mehr. Er ermordet Jani, dessen Seele in einer Fliege wiedergeboren wird, um das kurz vor seinem Tod gegebene Versprechen „Wenn du dich ihr näherst, töte ich dich!“ zu erfüllen. Wie diese Fliege nun Sudeep das Leben zur Hölle macht, ist augenzwinkernd witzig, die Fliege ist wirklich cool und sehr liebenswert, und es geht außerdem ordentlich was kaputt. Der hat wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht, das hätte ich gar nicht erwartet.

Abends gab es dann BYZANTIUM, einen sehr stimmungsvollen Vampirfilm mit tollen Bildern und einem schönen Soundtrack. Ich brauche eine Aufnahme dieser Beethoven-Klaviersonate. Gemma Arterton und Saoirse Ronan als Mutter und Tochter, die seit zweihundert Jahren vor einer Vampirbruderschaft fliehen. Die Geschichte bot nicht wirklich Überraschungen, aber die Möglichkeit, in Bildern und Musik zu schwelgen, und viel mehr hatte ich eigentlich auch nicht erwartet. Ich würde Saoirse Ronan gern mal in einer anderen Rolle sehen als dem introvertierten Mädchen. Ich hoffe, sie bekommt diese Chance mal. Selbst als Auftragskillerin in VIOLET & DAISY war sie ja irgendwie ein stilles liebes Mädchen und eigentlich ein Opfer.

Danach das Centerpiece: SWEETWATER. Ein Western. Western ist einfach nicht mein Genre. Dieser hatte ein paar schräge Charaktere zu bieten, allen voran Ed Harris als exzentrischer Sheriff Jackson. Und Kostüme gucken (das lila Kleid von January Jones!) ist natürlich auch immer toll, ich hab teilweise überlegt, dass ich gern auch so eine hochgeschlossene Bluse nachnähen würde, aber bei so vielen Knopflöchern bestimmt wahnsinnig würde, jedenfalls wenn ich das mit meiner alten Singer versuche … woran man ja vielleicht schon erkennen kann, dass mich die Handlung nicht so wirklich gepackt hatte. Naja. Irgendwie war ich auch gesättigt. Habe mir den Spätfilm also verkniffen und fange heute auch erst um 19.15 an.

Fantasy Filmfest 2013: Tag 2

Heute gab es zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch, eine Gemeinsamkeit gibt es: eine starke weibliche Hauptrolle. Der erste Film war COLD BLOODED: Juwelendieb Cordero wacht nach einem missglückten Bruch in einem stillgelegten Flügel des Krankenhauses auf, bewacht von der jungen Polizistin Frances Jane. Nur er weiß, was passiert ist. Nach kurzer Zeit taucht sein Boss auf und will die gestohlenen Diamanten an sich bringen sowie Cordero für seinen Verrat bestrafen – denn der wird außerdem beschuldigt, seinen Partner getötet zu haben. Die gewissenhafte Polizistin Jane und Pokerface Cordero müssen sich verbünden, wenn sie heil aus der Nummer herauskommen wollen, denn Corderos Boss schreckt vor nichts zurück. Spannend, toll gecastet, die Dialoge auf den Punkt – mir hat der Film sehr gut gefallen. Einfach, weil die beiden Hauptfiguren auch so sympathisch sind, dass man Ihnen nichts Böses will, hatte ich mich die ganze Zeit in meine Armlehne verkrallt.

Der zweite Film war dann BLANCANIEVES. Ein Stummfilm, schwarz-weiß. Pablo Berger inszeniert Schneewittchen als Matadora im Sevilla der Zwanziger Jahre. Ich habe noch nie einen Stummfilm gesehen, auch The Artist nicht, was in erster Linie daran lag, dass ich nichts Gutes vom Standard-Kinopublikum erwartet habe: das denkt ja gern mal, dass, wenn auf der Leinwand nicht gesprochen wird, auch nichts passiert, und man sich unterhalten darf. Dass das Publikum bei diesem Festival anders ist, ist auch ein Grund, warum ich mich jedes Jahr wieder drauf freue. Nun ja, anderes Thema. Ich war jedenfalls völlig fasziniert davon, wie ein Regisseur seine Darstellungsmittel in der heutigen Zeit so reduzieren und doch so viel ausdrücken kann. Er hat nicht nur weitestgehend auf Sprache verzichtet – mir fehlt wie gesagt der Vergleich, aber es waren meinem Eindruck nach nur wenige Tableaus – sondern auch auf Farbe. Stierkampf, Schneewittchen, vergifteter Apfel, … man sollte doch meinen, dass er Farbe, besonders rot, sehr gut hätte gebrauchen können. Aber er hat darauf verzichtet und es hat nichts gefehlt. Und er erzählt dieses Märchen von Schneewittchen und den sechs kleinwüchsigen Torreros so dermaßen verschroben, dass es wirklich eine Freude ist. Es gibt noch keinen deutschen Starttermin, aber er soll in Deutschland ins Kino kommen und ist auf jeden Fall eine Empfehlung.

Morgen habe ich frei. Ich könnte mittags Europa Report gucken, aber danach läuft nichts mehr, was mich interessiert, also mache ich einen Tag Pause. Das Wochenende wird voll genug.

Fantasy Filmfest 2013: Tag 1

IMG_3840Opening Night: THE CONGRESS. „Es ist großartig, dass der Film auf einem Fantasy-Festival läuft“, sagte Regisseur Ari Folman vor Beginn des Films, „für ein Publikum wie euch habe ich ihn gemacht.“ Er riet weiterhin dazu, sich anzuschnallen, zurückzulehnen und nicht allzu viel zu denken. Tatsächlich sind die Bilder überwältigend und verwirrend, gefilmte Szenen sind die eine, regenbogenbunte, psychedelische Animationen die andere Hälfte des Films, dessen Basis der Roman „Der futurologische Kongress“ von Stanisław Lem ist. Die Essenz ist jedoch simpel: es geht um Identität und Entscheidungen, um die Konsequenzen unserer Entscheidungen, wer wir sind und wer wir sein wollen. Nach dem Film stand der Regisseur noch für ein Q&A zur Verfügung, dem ich noch viel länger hätte zuhören mögen, aber der nächste Film sollte anfangen, so fand es ein etwas abruptes Ende.

Danach gab es BIG ASS SPIDER! mit Greg Grunberg als Kammerjäger Alex und Ray Wise (den der eine oder andere vielleicht noch als Leland Palmer aus TWIN PEAKS in Erinnerung hat) als Major Tanner. Greg Grunberg fand ich wirklich sehr lustig, und zusammen mit seinem Sidekick, Security Guy José, trägt er den Film. Eigentlich war das ja alles gut gemeint, berichtet der Wissenschaftler, der zusammen mit den Special Forces angerückt ist, um „die Sache“ wieder in Ordnung zu bringen, etwas widerwillig (die Sache ist eine Spinne von der Größe einer Stadtvilla, die eine mit eingesponnenen Skeletten garnierte Schneise der Zerstörung durch Downtown L.A. trampelt). Sie hatten ein wachstumsförderndes Gen aus Marsfossilien isoliert und folgten der Vision von Tomaten, von denen eine einzige Frucht einen ganzen Stadtteil ernähren könnte. Dummerweise war in einer der Pflanzen ein Spinnengelege, und die Tierchen haben auf das wachstumsfördernde Mittel leider verblüffend gut angesprochen. Wir lernen also wieder: gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Apropos gut gemacht, die Spinnen fand ich schon ziemlich gut animiert, besonders die kleinen, und die Effekte einigermaßen eklig. Ich hab an anderer Stelle schon „boah war das schlecht animiert“ gelesen, aber für mich hat’s gereicht, ich kann über Schönheitsfehler auch hinwegsehen, wenn der Rest stimmt. Die Story ist klischeeüberladene Nebensache und das komplette Team muss beim Dreh einen Heidenspaß gehabt haben, der sich direkt auf mich übertragen hat – ich bin jedenfalls mit einem breiten Grinsen aus dem Kino gekommen.

Mal schauen, ob ich es dieses Jahr schaffe, mit meinen Festivaleinträgen dranzubleiben. Die letzten Jahre hat das ja nicht so geklappt. Heute gibt es COLD BLOODED, dann das vorletzte Sommerliga-Spiel und dann den Stummfilm BLANCANIEVES.

Fantasy Filmfest: Tag 3

Ich hänge hoffnungslos hinterher mit dem Bericht vom Fantasy Filmfest… ich versuche mal, die Berichte kleckerweise einzustellen. Bei manchen Filmen ist das gar nicht so einfach.

Am dritten Tag gab es wenig bis gar nichts zu lachen. Ich habe mir ausschließlich schwerere Kost ausgesucht. Nicht mit Absicht, ein paar Albernheiten zwischendurch wären im Nachhinein ganz schön gewesen. Angefangen habe ich mit 96 MINUTES. Der beruht auf einer wahren Begebenheit und erzählt von 96 gemeinsamen Minuten, die das Leben von vier Teenagern nachhaltig verändern, und in Rückblenden davon, wie es zu der Situation gekommen ist. Sehr schnell, sehr intensiv, sehr gut gespielt.

Danach ging es direkt weiter mit A.C.A.B. – ALL COPS ARE BASTARDS, ebenfalls von Tatsachen inspiriert begleiten wir italienische Bereitschaftspolizisten bei ihren Einsätzen. Ich habe ständig geschwankt zwischen dem Wunsch, den Jungs auf die Schulter zu klopfen, sie in den Arm zu nehmen oder sie zur Besinnung zu prügeln. Auch sehr gut, sehr intensiv, sehr bedrückend, im Nachhinein einer der Filme, dessen Bilder immer wieder in meinem Kopf auftauchen. Empfehlung!

Danach hatte ich zwei Programmslots Pause, und dann gab es EDEN. Auch dieser Film beruht auf einer wahren Begebenheit, nämlich der Lebensgeschichte von Chong Kim, die als Teenagerin verschleppt, mit Dutzenden anderer Mädchen in eine Lagerhalle gepfercht und zur Prostitution gezwungen wurde. Ihre einzige Chance zu entkommen sah sie darin, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen und sich bei ihrem drogensüchtigen Aufpasser einzuschmeicheln. Ein sehr intensiver Film mit einer herausragenden Hauptdarstellerin.

Bei BEAST war ich dann vielleicht mit meiner Geduld am Ende, aber der hat mich eher enttäuscht. Ich mag Nicolas Bro und Nikolaj Lie Kaas echt gern, und Bro traut sich auch unheimlich viel, zum Beispiel wie er da so nackt und brüllend vorm Spiegel steht, nachdem er Maxines Blut getrunken hat, aber auch der konnte es für mich nicht retten. Ich habe keinerlei Spannung, keine Entwicklung erkennen können: Bruno (Bro) ist am Anfang eigentlich schon genauso irre wie am Ende, es ist irgendwie offensichtlich, worauf es hinauslaufen wird. Der Titel nimmt die Transformation, wenn es denn wirklich eine ist, vorweg, es liegt von Anfang an alles vor einem. Außerdem habe ich nicht wirklich Zugang zu den Charakteren bekommen, ganz anders als bei Mørke vor ein paar Jahren. Das war mutmaßlich gewollt, mag ich aber nicht so gern. Ich habe gern einen „Avatar“ (im ursprünglichen Sinne jetzt, der muss nicht zwingend blau sein), an den ich mich heranhängen kann. Die Aufnahmen aus dem Inneren von Brunos oder auch Maxines Körper – ich bin mir da gar nicht sicher – und seinem bzw. ihrem Blut fand ich zu so später Stunde nur noch artsy-fartsy und nervig. Hm. Aber Dänisch ist eine schöne Sprache, das konnte ich mal wieder feststellen.

Fantasy Filmfest: Thale

Ich war mir zunächst nicht ganz sicher, wie ich THALE fand. Außer: zu kurz! Vieles wird nur angedeutet oder mit Tonbandaufnahmen erzählt, es reicht aus, aber über Leo und Elvis hätte ich gern mehr erfahren, ebenso über die Wesen im Wald, und natürlich über Thale selbst. Aber alles in allem und mit einem Tag Abstand hat er mir gut gefallen.

25. Fantasy Filmfest – Review

Für mich ging das Fantasy Filmfest gestern zuende, denn morgen geht’s in aller Frühe nach Griechenland, und heute habe ich noch allerhand auf dem Zettel. Ich habe weniger Filme gesehen, als ich eigentlich wollte, dafür war keine Niete dabei, sie haben mir alle gut bis sehr gut gefallen.

Den Anfang machte DON’T BE AFRAID OF THE DARK, der auch Opener des Festivals war. Ich habe mich ein paar Mal ganz ordentlich erschrocken und ansonsten die wirklich märchenhaften Bilder genossen. Erinnerte mich sehr an Pans Labyrinth.

Am nächsten Tag gab es I AM YOU, einen ausgezeichnet besetzten und sehr intensiven australischen Thriller, der umso beklemmender wirkt, wenn man sich vor Augen führt, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Insbesondere Ruth Bradley als schwer gestörte Caroline ist beeindruckend.
Am Freitag hatte ich dann zwei Filme hintereinander, HESHER und HELL, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Ich hätte gern etwas mehr Pause zwischen beiden gehabt, insbesondere weil im Abspann von Hesher sehr viel Liebe zum Detail steckt. Auch dieser Film kann mit einem sehr guten Cast aufwarten und einer Story, die so abwegig ist, dass sie auch hätte schiefgehen können. Ist sie aber nicht, Hesher ist komisch und auch unheimlich rührend. Hell war mein erster deutscher Film, und er war … ok. Er erzählt nicht viel Neues, es ist alles irgendwie vorhersehbar, aber die Besetzung ist gut und die Bildsprache gefiel mir auch. Und das, wo deutsche Filme es bei mir oft schwer haben.

Am Samstag ging es dann weiter mit THE INNKEEPERS, bei dem ich mich un-glaub-lich gegruselt habe! Meine Güte! Ich wollte einfach nicht, dass den beiden netten Angestellten vom Yankee Pedlar Inn (die ihre letzte Schicht schieben, bevor das Gebäude in der kommenden Woche einem Parkhaus weichen muss, weswegen es auch kaum noch Gäste gibt und die beiden sich irgendwie die Zeit vertreiben müssen, und zwar indem sie die Spukvergangenheit des Hauses ergründen) etwas zustößt. Und das Kino 4 war auch laut – wenn es geknallt hat, dann immer gleich richtig. Naja. Später gab es dann JULIA X 3D, meinen ersten 3D-Slasher (das Programmheft schlägt als Genre „Torture Porn Comedy“ vor und ich hab dem nichts hinzuzufügen). Am Kinoausgang wurden Erfrischungstücher gereicht, das fand ich sehr aufmerksam.

Meine beiden Highlights – neben I am You – gab es dann am Sonntag. Zunächst THE WOMAN, der beim Sundance Festival für einen Skandal sorgte. Der Plot ist schnell erzählt: Familienvater Chris findet bei einem Jagdausflug eine wilde Frau im Wald, fängt sie ein und beschließt, ihre (Re)sozialisierung zum Familienprojekt zu machen. Das Blutbad am Ende fand ich nicht so schwer zu ertragen wie den alltäglichen Horror in dieser Familie, der langsam zum Vorschein kommt, als die Bilderbuchfassade zu bröckeln anfängt. Man fragt sich, wie das so lange gut gehen konnte. Und was „gut“ in dem Zusammenhang überhaupt bedeutet. Und weil Wechselbäder gesund sind, gab es direkt im Anschluss SUPER, meine persönliche Closing Night. Und was soll ich sagen, meine durchaus hohen Erwartungen wurden erfüllt. Super ist super und kriegt einen Platz in der DVD-Sammlung.

Es ist wieder ein Jahr rum. Nächstes Jahr ist mein persönliches 15jähriges Jubiläum. Ob ich mir da tatsächlich mal eine Dauerkarte bestelle?