Die letzten zweieinhalb Monate in zehn Minuten …

Ich habe seit Mai einen neuen Job. Festanstellung, Vollzeit. Manchmal sehr volle Vollzeit. Ich bin abends meist recht platt und handarbeite zur Zeit wenig, und nach 40+x Stunden vor dem Bildschirm habe ich auch nur noch wenig Antrieb, mich zum bloggen hinzusetzen. Außerdem wird’s hier im Sommer ja ohnehin weniger, da bin ich eher draußen. Und jetzt gibt es auch noch Pokémon Go, herrje, das hat mich ja voll erwischt. Drüben auf Ravelry bin ich noch recht aktiv, wenn man es als „aktiv“ gelten lässt, dass ich durch meine Lieblingsforen gucke und Herzchen verteile. Na gut, und ich pflege meine Projekte und melde mich brav jeden Monat in der Podcasting auf deutsch-Gruppe zum MMM Check-In (MMM wie „Motivation, Meilensteine, Mottomonate“). Und staune, was dann über den Monat doch zusammengekommen ist, obwohl ich eigentlich nicht das Gefühl hatte, irgendwas geschafft zu haben.

05-07_Mai

Ich habe im Mai aus der Angora Pure von Seidenhase, die ich im Oktober in Vaterstetten gekauft habe, ein weiteres Sonnenfeuer angeschlagen. Da bin ich auch noch bei, die erste Hälfte ist fast fertig. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, vor der Tour de Fleece die GOTS-Merino von der Stockumer Wollwerkstatt endlich vom Rad zu kriegen. Die war da nämlich seit Januar 2015 drauf und so langsam wollte ich mal was anderes sehen. Ich hab also ordentlich ins Pedal getreten …

05-07_Juni

… und im Juni war dann alles versponnen. 250g, irgendwo zwischen Fingering und Sport Weight. Und außerdem war Fußball-EM, da habe ich jede Menge Hexipuffs für den Beekeepers Quilt gestrickt. Die eignen sich nämlich hervorragend als Nebenbei-Projekt, und wenn ich mich ranhalte, schaffe ich pro Halbzeit eines. Und ich habe viele Spiele gesehen. Jetzt ist auch erstmal wieder gut mit Fußball. Und mit Hexipuffs. Ich glaube, seit der EM ist ein einziger fertig geworden. Eine Projekttasche hab ich noch genäht, weil die Angorawolle zum Mitnehmen eine nettere Aufbewahrung verdient als eine Plastiktüte und weil ich endlich was mit meinem tollen Oktopusstoff machen wollte, den ich schon seit Jahren bunkere. Einen halben Meter davon, um genau zu sein. Große Couture wird da eh nicht draus.

05-07_Juli

Im Juli war ich dann wieder etwas produktiver. Ich habe 110g Merino-Seidenmischung versponnen, das fertige Garn hat etwa 260m und könnte zum Beispiel eine Mütze werden. Dann habe ich nach dieser Anleitung aus Denim-Resten und einem Schlüsselband eine Handytasche zum Umhängen genäht. So etwas brauchte ich eigentlich seit Jahren immer dann, wenn ich im Sommer nichts mit Taschen anhatte, um das hörbuchabspielende Gerät zu verstauen. Die früheren Geräte konnte ich zur Not leidlich in den BH stopfen, musste aber auch da bei jeder Bewegung aufpassen, und seit dem iPhone 6 geht das nicht mehr. Ich könnte natürlich die Oberarmtasche, die ich auch zum Laufen verwende, nehmen, ich mag aber nicht über Stunden etwas an den Arm geschnallt haben. Und um dann mal etwas völlig anderes zu machen, habe ich mich im Kurs „Sketchbook Explorations“ auf creativebug eingeschrieben. Die erste Episode mit Wasserfarben und Fineliner war am Sonntag sehr entspannend. Ich würde eigentlich morgen gern die nächste machen. Eigentlich. Denn ein neuer regelmäßiger Job geht auch mit neuem regelmäßigen Gehalt einher. Ich habe die Tage den Sparstrumpf auf links gezogen und meinen Maschinenpark um ein Kromski Sonata und eine Bernina 1150 MDA erweitert. Jetzt rohrkrepiert meine Wochenendplanung an akuter Optionsparalyse. Selber schuld.

Frau Marlene

FrauMarlene

Nur ganz kurz: Fertig! :)
Schnitt: FrauMarlene von schnittreif
Stoff: Jersey von Traumbeere

m11-fuerMarthaEigentlich wollte ich dort nur Stoff nachbestellen. Ich habe auf dem Stoffmarkt Holland im letzten Jahr den großgeblümten Jersey auf dem Bild mitgenommen, ohne konkrete Idee, was aus ihm einmal werden sollte. Ich habe mich entschieden, dass ich daraus eine Martha vom Milchmonster nähen möchte, dafür brauchte ich aber noch einen zweiten Stoff. Also habe ich die Variante mit den kleinen Blümchen dazubestellt. Und damit die sich im Paket so ganz allein nicht langweilt, damit sich die Versandkosten lohnen und weil ich spontan verliebt war, sind die Füchse noch mit ins hineingeraten. Die hab ich dann aber wenigstens unmittelbar verarbeitet.

Und was Martha angeht, werde mich vielleicht schon über die Osterntage mal ans Werk machen. Vorausgesetzt, ich kann mich dazu aufraffen, den aus gefühlt siebenundachtzig A4-Seiten bestehenden Papierschnitt auszudrucken und zusammenzukleben.

Wollmarkt

wollmarktbeute
Am Wochenende war ich, wie ich im letzten Eintrag schon erwähnte, in München. Anlass und Ziel war ein Besuch des Wollmarkts in Vaterstetten, verbunden mit einem Treffen mit Ravelry-Buddies aus dem süddeutschen Raum. Und was dann an Aktivitäten drumherum noch geht, wollte ich vor Ort sehen. Kurz hatte ich überlegt, auch noch bei der Wollmeise vorbeizuschauen, deren Laden an diesem Wochenende geöffnet war, aber das schien mir bereits beim ersten groben Überschlagen der S-Bahn-Fahrtzeiten ein bisschen viel zu werden. Also fiel die Entscheidung: nur Wollmarkt. Und das war eine gute Idee. Ich konnte in Ruhe über den Markt stöbern und mich mit Ausstellern unterhalten. Ich habe nur die geplante Wolle gekauft und den einen oder anderen handgefärbten Strang, der versucht hat, sich an meiner Tasche festzuklammern, tapfer wieder weggelegt.

Geplant war eine Menge Cheeky Merino Joy von Rosy Green Wool, die für eine Jacke reicht, und Material für ein Tuch. Ich wollte explizit Rosy Green Wool, nachdem ich ein Interview mit Rosy im Podcast der nahlinse gehört hatte, in dem ich erfahren habe, dass die eigentlich genau die Wolle herstellen, die ich verstricken will. Superweich, schöne Farben, GOTS-zertifiziert, was das derzeit strengste Öko-Siegel zu sein scheint, das nur vergeben wird, wenn jeder einzelne Produktionsschritt stimmt – von der Tierhaltung über die Arbeitsbedingungen bis hin zur Verträglichkeit der Farbe.

Gekauft habe ich also fünf Stränge in der Farbe „Brombeersorbet“ für einen Water & Stone Cardigan von Veera Välimäki und zwei Stränge „Pure“ 100% Angora von Seidenhase. Das ist wirklich purer Luxus. Und auch Seidenhase achtet darauf, dass es den Tieren gut geht. Daraus werde ich ein Tuch von Martina Behm stricken, Knit your Love. Das Problem ist nun, dass ich am liebsten beide sofort anstricken würde, und das geht natürlich nicht. Abgesehen davon sollte ich erstmal die angefangenen Projekte abschließen. Irgendwann, bald, demnächst bin ich soweit. Dass ich erst Wolle kaufen gehe, wenn das letzte Projekt abgeschlossen ist, und dann darf ich auch sofort anfangen.

Lebenszeichen

11838631_486377461530655_4230960559184169011_oSeit Mai ist hier schon Funkstille, ich dachte mir, ich geb mal ein Lebenszeichen von mir. Viel hab ich gar nicht zu berichten. Ich habe ein paar kleine Projekte fertiggestellt, aber nichts, wofür ein eigener Post gelohnt hätte: ein paar Socken für den Mann, eine Jersey-Schlunzhose aus drei simplen Teilen für mich. Und den Wellenschlag auf dem Foto, der auf halber Strecke dann doch ein Sonnenfeuer geworden ist. Dieser Strang Wollmeise in Vergissmeinnicht lagerte bereits seit 2010 in meinem Stash und anlässlich der „Alt aber oho!“-Challenge in der Podcasting auf Deutsch-Gruppe auf Ravelry hab ich ihn rausgeholt und verarbeitet. Das Muster ist „Sonnenfeuer“ von Jana Huck, ich habe genau einen Strang Wollmeise Pure verbraucht, ich war anfangs etwas unsicher, ob der eine Strang reichen würde, denn die anderen haben mehr benötigt. Aber das gilt möglicherweise für eine größere Nadelstärke. Ich hab 3 verwendet, und es hat gepasst.

Morgen fliege ich übers Wochenende nach München und besuche Deutschlands größten Wollmarkt in Vaterstetten. Wie das mit dem Vorsatz, dieses Jahr nichts zu kaufen zusammenpasst? Nun, wenn ich mir nichts unter Verwendung der Urlaubsregel zurechtmogle: gar nicht. Wie der Stoffmarkt letzten Monat übrigens auch. Hoppla. Ich bin nicht zu 100% konsequent, es sind mehr so 80%. Ich merke aber, dass sich mein Bewusstsein durch diesen Vorsatz verändert hat. Ich denke einmal öfter über Käufe nach. Ich schaufle immernoch euphorisiert Bücher, Filme und Dinge, auf die ich aufmerksam werde, in meinen amazon-Einkaufskorb – aber ich drücke nicht sofort „jetzt bestellen“, sondern lasse sie bis zu meinem nächsten Besuch darin liegen. Verschiebe sie auf die Merksliste. Und da liegen sie dann. Und von Zeit zu Zeit gucke ich die Liste durch, übertrage die Titel in meinen Online-Merkzettel bei der Leihbücherei, und wenn ich in einer der Bücherhallen bin und etwas davon gerade im Bestand ist, nehme ich es mit. Oder ich blättere rein und stelle es wieder ins Regal, weil ich feststelle, dass es mir nicht gefällt, mich nicht mehr oder gerade jetzt nicht interessiert. Newsletter von anderen Online-Shops lösche ich ungelesen, das fiel mir aber noch nie schwer. Manchmal hab ich Lust, reinzugucken, deswegen hab ich sie noch nicht abbestellt. Dann gucke ich rein, denke mir „hübsch!“ (oder nicht) und lösche sie dann.

Für morgen habe ich einen Plan. Und einen Einkaufszettel. Und die ec-Karte kriegt der Mann zur sicheren Verwahrung. Und wenn ich angesichts der wunderbaren Wollangebote doch in einen Shopping-Berserkerwahn verfalle, dann ist das so und dann werde ich jede Minute genießen und es anschließend kleinlaut hier gestehen. Und aus den 80% werden dann möglicherweise 70%. Gut genug.

Ich kaufe nichts – das erste Quartal

IMG_8076Wie lief es denn so bisher mit dem Konsumverzicht? Ganz gut, auch wenn ich nur zu 90% konsequent war. Ich habe zwei Bücher gekauft und ein T-Shirt. Sonst nix, kein Handarbeitsmaterial, keine Tees und keine Kosmetika. Das finde ich so schlecht nicht. Ich bin etliche Male um neue Tees in hübschen Verpackungen herumgeschlichen, mehrmals an dem netten Stofflädchen vorbeigekommen, ohne der Restekiste zu verfallen, und ich habe drei Bücher nicht gekauft. Ich habe sie mit stattdessen wie geplant in der Bücherhalle ausgeliehen und eines davon auch nach zwei Kapiteln entnervt wieder zurückgetragen, nämlich „Albuquerque“ von Florian Wacker. Erzählungen, sehr gute Kritiken, klang ansprechend. Ich mag es allerdings nicht, wenn die Geschichten nur skizziert werden und vieles offen bleibt, das ich mir dann in meinem eigenen Kopf vervollständigen muss. Meinen Kopf kenne ich. Und ich lese unter anderem, um aus meinem Kopf rauszukommen, dieses Buch hat für mich also leider nicht funktioniert. Der erste vermiedene Fehlkauf des Jahres. Die anderen beiden stehen noch im Regal und warten, bis sie dran sind, denn erst müssen die beiden gekauften Bücher gelesen werden. Das erste ist „Darm mit Charme“. Je nun. Eigentlich hatte beim Erscheinen dieses Buches meine Hype-Allergie angeschlagen. Man kam ja gar nicht dran vorbei. Sowas löst bei mir seit jeher Widerwillen aus. So wie Harry Potter damals. Schlimm. Aber dann konnte ich nicht schlafen und habe bei Spotify irgendein Hörbuch zum Einschlafen gesucht. Ihr ahnt es: irgendwann war es zwei Uhr und ich war beim Blinddarm angekommen, hellwach, völlig fasziniert. Ich hab es dann tagsüber noch zweimal gehört und habe einzelne Dinge nachgelesen. Und beschlossen, mit das Buch zu kaufen, damit ich mich durch die angegebenen Quellen lesen und Post-Its reinkleben kann. Gedacht, gekauft. Und die Version bei Spotify ist gekürzt, im Buch steht noch viel mehr. Das hat sich auf jeden Fall schon mal gelohnt. Das zweite Buch „Und sie fliegt doch – eine kurze Geschichte der Hummel“ von Dave Goulson gehört dann schon eher in die Kategorie Affektkauf, auch wenn ich ein paar Tage drumherumgeschlichen bin und nur sehr kurz rein-, mich aber abends dafür sofort festgelesen habe. Es ist ein Sachbuch, aber eher wie eine Erzählung geschrieben, sehr flüssig, mit sehr britischem Humor. Und Hummeln und Bienen finde ich ja super. Die Steinhummel heißt lateinisch übrigens bombus lapidarius, darüber muss ich immer kichern, wenn ich das höre. bombus lapidarius. Herrlich.

Das T-Shirt war übrigens das Tourshirt von Katzenjammer, das ich mir beim Konzert am 9. März in der Großen Freiheit gekauft habe. Für Tourshirts gilt das gleiche wie für Urlaubsgarn: ein Shirt beziehungsweise Wolle für ein Projekt ist frei. :)

Ich kaufe nichts

Ich hatte in meinem Jahresrückblick ja angekündigt, noch ein paar Worte dazu zu schreiben. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich gerade so einen Trend gibt, der durch die Medien geistert (es gibt das Buch „Ich kauf nix!“ und das Blog von Nunu Kaller, es gab einen Beitrag im NDR Info Frauenforum, auf spiegel online gab’s auch grad vor ein paar Wochen wieder einen Artikel), oder ob es meine selektive Wahrnehmung ist, weil ich mich mit dem Thema beschäftige. Wie ich dazu gekommen bin, ist ja letztendlich auch nicht so wichtig. Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich in den letzten Jahren ein paar Mal umgezogen bin, ich ergo mein ganzes Geraffel in Kisten packen, herumschleppen und wieder auspacken musste, und ich mir leicht genervt die Frage gestellt habe, ob ich das wirklich alles brauche. Ich habe bei jedem Umzug ausgemistet. Habe CDs auf eBay und Bücher an momox verkauft. Loswerden ist nicht das Problem. Nur wenn ich sehe, dass ich bei einigen nahezu neuwertigen, gebundenen Büchern nicht einmal ein Zehntel des Neupreises bekomme und meine alte Lieblings-CD für einen Euro weggeht, von dem eBay noch Provision einstreicht, tut mir das ein bisschen in der Seele weh und ich frage mich, ob ich das Buch nicht auch hätte leihen können und ob es die CD auf spotify gibt. Die Antwort ist: ja, hätte ich, und ja, gibt es. Und das ist dieses Jahr der Plan. Also wenn ich sage, „ich kaufe nichts“, welches Nichts meine ich dann?

Handarbeitsmaterial
Ich habe neulich meinen Wollvorrat bei ravelry eingepflegt und dabei Schätze gehoben. Für meinen Stoffvorrat gibt es kein solches Tool, aber den habe ich durchgesehen. Es ist nicht so, dass ich Unmengen horte, da habe ich schon ganz andere Lager gesehen, aber bei einem Verhältnis von „2 Stränge Wollmeise kaufen“ zu „einen Strang Wollmeise zu zwei Dritteln verstricken“, deutet sich eine besorgniserregende Tendenz an. Ich kaufe also keine Wolle und keinen Stoff und auch sonst kein Handarbeitsmaterial. Ausnahme: Zubehör, das ich für ein Projekt aus dem Vorrat brauche. Bügeleinlage oder sowas. Und das Urlaubsgarn im dänischen Wollparadies. Das wäre dann Garn für ein Projekt, mehr nicht.

Bücher und Filme
Ich bin eine Leseschnecke. Ich schaffe vier bis sechs Bücher im Jahr. Ich kaufe allerdings doppelt so viele. Weil ich hier über eine Empfehlung und dort über eine Rezension stolpere und Feuer und Flamme in den Buchladen oder zu amazon renne. Ich habe im letzten Sommer also etwas mehr als einen halben Meter ungelesene Bücher, deren Rezension mich jedoch restlos begeisterte, aus dem Karton ins Regal gestellt. Die lese ich dann also dieses Jahr erstmal. Und die interessanten Neuerscheinungen 2015, die es zweifellos geben wird … ich wohne in Hamburg. Die öffentlichen Bücherhallen haben im Stadtgebiet zweiunddreißig außerordentlich gut sortierte Standorte, und wenn ein Medium nicht vorrätig ist, kann ich es gegen eine geringe Gebühr vormerken und in eine Bücherhalle meiner Wahl liefern lassen. Gleiches gilt für Filme. Ich mag meine DVD-Sammlung sehr, aber wenn ich mich ehrlich frage, wie oft ich denn zuhause überhaupt einen Film gucke (einmal im Monat wenn’s hoch kommt) und wie oft es dann einer aus der Sammlung ist (…) werd ich verlegen.

Kleidung und Schuhe
Sind ausreichend vorhanden. Mehr als ausreichend. Ich habe drei oder vier Kleider in meinem Schrank, die ich noch nie anhatte. Ich habe sie durchaus mit Trageabsicht gekauft, aber irgendwie ist es nicht dazu gekommen. Muss ich dieses Jahr also auch nicht kaufen. Ich würde eine Ausnahme machen, wenn ein Teil, das ich brauche und das nur einmal vorhanden ist, irreparabel kaputt geht. Also zum Beispiel, wenn meine Regenjacke in Flammen aufgeht oder so. Womit eher nicht zu rechnen ist.

Kosmetik
Kosmetik ist für mich ein ähnlich geeigneter Seelentröster wie Schokolade für andere. Mal ein Tütchen Badeperlen, eine Handcreme, ein schönes Duschgel oder Shampoo. Und da ich das Jahr vor meinem Umzug zwischen zwei Wohnungen gependelt bin, hatte ich auch noch alles doppelt. Das werde ich also erstmal alles verbrauchen.

Das sind so die vier großen Kategorien, die eine Herausforderung werden könnten. Neuer Computer, neues Telefon, Zweittelefon, iPad, Zweitnähmaschine (Overlock womöglich), Zweitspinnrad, Erstwebrahmen et cetera lassen mich relativ kalt. Brauche ich nicht. Ich würde dieses Jahr gern in Erlebnisse investieren, nicht in Gegenstände. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt.

Dreiecksgeschichten

IMG_5819Letztes Jahr war ich im Dänemark-Urlaub in der Nähe von Ringkøbing in einem sehr schönen Wollgeschäft – TIND Textil og Kunst, ich hatte darüber berichtet. Dieses Jahr waren wir wieder in der gleichen Gegend, und natürlich stand ein Besuch bei TIND auf dem Programm. Ich hatte mir vorgenommen, mir dort nur Wolle zu kaufen, wenn ich Trekantsområdet vorher fertig habe. Ich sag mal so: ich hätte es fertig gehabt, wenn ich die Anleitung richtig interpretiert hätte. Aber „an den Außenseiten zunehmen“ kann man nunmal auch auf die Außenseite des Strickstücks beziehen. Gemeint war aber die Außenseite des Dreiecks. Knoten im Kopf, passiert. Mir kam das mit fortschreitender Reihenzahl dann auch langsam komisch vor. Aber ist ja klar: Wenn ich in jeder vierten Reihe zunehmen soll, bis das Dreieck 33 linke Maschen breit ist, und wenn ich dann nur an der Außenseite des Strickstücks zunehme statt an den beiden Außenseiten des Dreiecks, brauche ich doppelt so viele Reihen. Also hab ich’s bis zum Beginn des Armloches wieder aufgezogen. Das Schöne ist ja, dass es beim zweiten Mal schneller geht, besonders, wenn man nur halb so viele Reihen stricken muss. Ich hab’s also erst gestern fertiggestellt, momentan trocknet es.
IMG_5845Aber ich hab trotzdem Wolle gekauft. Weil ich ja quasi im Prinzip so gut wie fast fertig war, das war höhere Gewalt. Also. Die diesjährige Beute sind drei Stränge Design.club.dk Duo Silke/Merino, eine Woll-Seidenmischung (65%/35%) in lila und dazu die Anleitung Venus von Else Schjellerup, ebenfalls beim Design Club erschienen, ein Top oder Pulli mit voluminösem Kragen, ich hab keine Ahnung, wie man einen solchen Kragen nennt. Ich werde die Variante mit Ärmeln stricken. Und es ist nun soweit, ich werde damit die die unter-3-mm-Nadelstärke-Schallgrenze durchbrechen (dass ich seit Jahren Socken mit 2,5 stricke zählt nicht, das sind Socken). Ein Pulli in 2,5 mm. Gut, dass ich die Nadeln aus dem Oma-Erbe nicht weggeschmissen hab.

Gruß aus dem dänischen Wollparadies

geilsk_und_mehrHeute war ich bei TIND – textil og kunst, nach eigener Aussage „Vestlyllands smukkeste butik“, also das schönste Geschäft an der Nordseeküste, was möglicherweise stimmt. Es liegt mitten im Löwenzahn-umwucherten Nirgendwo und füllt zwei Etagen eines Holzhauses im für Dänemark typischen Stil. Im Erdgeschoss finden sich allerlei Kleidung, Schmuck und Schuhe und ein riesiger Zimmerbrunnen. Dort habe ich mich allerdings gar nicht lange aufgehalten, denn durch die atriumartig offene Bauweise konnte ich schon sehen, dass mein Ziel sich im ersten Stock befand.

Oben gab es praktischerweise auch einen Tisch mit Tee und Kaffee, an den man sich setzen und die vielen Musterordner (Geilsk, Isager, Danielsen …) und Bücher durchschauen konnte. Wahlweise hätte man dort auch eventuell quengelig gewordene Miturlauber wieder aufpäppeln können. Solche hatte ich allerdings nicht dabei, A. fand es selbst spannend, und den Liebsten kann eine Frau im Wollrausch nicht schrecken, solange er ein Buch dabei hat, und er hat immer ein Buch dabei. Zur Not „Krieg und Frieden“ als eBook auf dem iPhone (8900 Seiten). Alles im harmlosen Bereich, solange er keine Meinung dazu haben muss, welcher der beiden fast (aber eben nur fast) identischen Blautöne mir besser steht.

trekantomraadeIch habe mir also wie geplant ein Trekantsområdet-Kit von Geilsk im dem Blau, das für etwas schmeichelnder befunden wurde, gekauft (Farbe C33), wobei ich besonders stolz darauf bin, dass etwa Dreiviertel des Verkaufsgesprächs tatsächlich auf Dänisch stattfand. Außerdem habe ich ein Buch von Annette Danielsen mitgenommen – Strik en Stund (die deutsche Ausgabe heißt „Stricken für Zeitvergesser“) – und es schon reichlich mit Lesezeichen versehen. Mir gefallen für’s Erste Morgenstund, Stilhed, Regnvejrsdag und Kaffe (alles Ravelry-Links) … aber erstmal ist Trekantsområdet (auf deutsch etwa „Dreiecksgebiet“) dran. Und davor stricke ich natürlich Livstykketrøje fertig. Selbstverständlich. Überhaupt keine Frage.

Mehr Meisen!

Seit ein paar Wochen bin ich wieder regelmäßiger in Strickerkreisen unterwegs*, und zack! hab ich mich wieder mit dem Wollmeisenfieber angesteckt. Ich hab also am letzten Freitag den Shop belauert und vier Stränge erbeutet. Von links nach rechts: Ahoi, Limone, Saami (WD) und Silberdistel (WD) – alle Twin. Besonders über Saami aus dem Überraschungspaket hab ich mich gefreut, denn diese Färbung fand ich schon toll, als ich sie das erste Mal gesehen habe. Ich weiß noch nicht, was ich damit mache. Ich denke, irgendeine Art Tuch oder Schal wird’s werden, ich überlege in Richtung Chevron Scarf, Heidetuch, Revontuli (will ich mir das wirklich nochmal antun? Dieses Projekt wurde gegen Ende eine echte Hassliebe und war monatelang echt ribbelgefährdet) … den Blackcurrant Shawl oder Color Affection von Veera Välimäki (beides Ravelry-Links) finde ich schön, auch wenn ein Strang für die nicht reichen wird und im Falle von Color Affection auch ziemlicher Quatsch ist. Vielleicht schaue ich mich auch einfach mal bei Strickmich! um, Martina scheint den Meisen die Muster auf den Leib bzw. auf den Strang zu schreiben. Mit dem Hitchhiker liebäugle ich ja schon länger.

*Ich spiele in der Dart Sommerliga Hamburg. Die meine ich nun nicht mit Strickerkreisen, obwohl man mit den Darts prima heruntergefallene Maschen retten kann und sich die Pausen, wenn die anderen dran sind, gut zum Stricken eignen (solange das Projekt mindless genug ist). Und Projektvorschläge von anderen Teams bekomme ich auch („Ich hab Pullovergröße 54“). Sondern: ich spiele im Team DiB, was „Dart inner Bodega“ heißt. Unsere Heimspiele finden „inner Bodega“ statt, und diese Bodega ist in der Weidenallee exakt einen Knäulwurf von Naimas Laden entfernt. Weswegen ich mich also vor Heimspielen und Trainingsabenden erst im Café Mylys mit Quiche und Tee stärke und strickend die mentalen Wogen glattbügle, um mich dann satt, zufrieden und total zentriert an die Oche zu begeben. Nun. Bisher war mein „total zentriert“ meist weit, weit entfernt von den zu treffenden Feldern. Aber es wird besser. Gestern hab ich beim Auswärtsspiel mein erstes leg geholt. Und irgendwann gewinne ich auch mal ein Spiel. Ich werde berichten.

Frühlingsjäckchen Knitalong oder: mein zweites Kit

Da sag nochmal einer, ich sei nicht entscheidungsfreudig. Ich habe mit den vier Optionen aus dem letzten Eintrag nur sehr kurz herumgehühnert und mich dann sehr schnell für Livstykketrøje entschieden. Es entspricht einfach am ehesten meinem Stil. Da es diese Anleitung nur als Kit bei geilsk.dk gibt, bin ich in der Wahl des Garnes eingeschränkt: angeboten wird das Muster mit reiner Wolle oder einer Woll-Baumwoll-Mischung (45% Baumwolle, 55% Wolle). Einen Baumwollanteil finde ich für ein Frühlingsjäckchen passender. Die Farbwahl ist allerdings nicht so einfach, schön finde ich sie nämlich fast alle (zum Gucken auf den roten Knopf mit der Aufschrift „FARVEKORT“ klicken) und tragen könnte ich sie vermutlich auch alle. Nun muss sie aber auch zum Kleiderstoff passen, also kann ich noch ein paar Optionen streichen und lande schlussendlich bei C23 – schnell bestellen, sonst überlege ich es mir noch anders!

Die Wolle ist inzwischen da, der Kleiderstoff auch, und die beiden können sich schon mal kennenlernen. Sie verstehen sich gut. Kein Wunder, sie kommen ja auch beide aus Dänemark.

Rechts im Hintergrund ist mein derzeitiger Lieblingsbecher zu sehen. Ich habe ihn vor ein paar Tagen bei Tee Gschwendner gesehen, wie er da so stand zwischen all den anderen Bechern mit unschuldigen Kätzchen, Schmetterlingen, Blümchen, Hündchen und Fischen, und hab ihn im Affekt gekauft. Auf der einen Seite ist eine Zeichnung des menschlichen Skeletts (bone china im doppelten Sinne), auf der anderen Seite eine der Muskeln – komplett mit englischen Fachbegriffen. Ich frage mich, was die Product manager von Dunoon geritten hat, dieses Motiv zu produzieren. Ich mein, ich find’s toll! Aber die Verkäuferin bei Gschwendner war offensichtlich froh, das gruselige Ding los zu sein.