Die letzten zweieinhalb Monate in zehn Minuten …

Ich habe seit Mai einen neuen Job. Festanstellung, Vollzeit. Manchmal sehr volle Vollzeit. Ich bin abends meist recht platt und handarbeite zur Zeit wenig, und nach 40+x Stunden vor dem Bildschirm habe ich auch nur noch wenig Antrieb, mich zum bloggen hinzusetzen. Außerdem wird’s hier im Sommer ja ohnehin weniger, da bin ich eher draußen. Und jetzt gibt es auch noch Pokémon Go, herrje, das hat mich ja voll erwischt. Drüben auf Ravelry bin ich noch recht aktiv, wenn man es als „aktiv“ gelten lässt, dass ich durch meine Lieblingsforen gucke und Herzchen verteile. Na gut, und ich pflege meine Projekte und melde mich brav jeden Monat in der Podcasting auf deutsch-Gruppe zum MMM Check-In (MMM wie „Motivation, Meilensteine, Mottomonate“). Und staune, was dann über den Monat doch zusammengekommen ist, obwohl ich eigentlich nicht das Gefühl hatte, irgendwas geschafft zu haben.

05-07_Mai

Ich habe im Mai aus der Angora Pure von Seidenhase, die ich im Oktober in Vaterstetten gekauft habe, ein weiteres Sonnenfeuer angeschlagen. Da bin ich auch noch bei, die erste Hälfte ist fast fertig. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, vor der Tour de Fleece die GOTS-Merino von der Stockumer Wollwerkstatt endlich vom Rad zu kriegen. Die war da nämlich seit Januar 2015 drauf und so langsam wollte ich mal was anderes sehen. Ich hab also ordentlich ins Pedal getreten …

05-07_Juni

… und im Juni war dann alles versponnen. 250g, irgendwo zwischen Fingering und Sport Weight. Und außerdem war Fußball-EM, da habe ich jede Menge Hexipuffs für den Beekeepers Quilt gestrickt. Die eignen sich nämlich hervorragend als Nebenbei-Projekt, und wenn ich mich ranhalte, schaffe ich pro Halbzeit eines. Und ich habe viele Spiele gesehen. Jetzt ist auch erstmal wieder gut mit Fußball. Und mit Hexipuffs. Ich glaube, seit der EM ist ein einziger fertig geworden. Eine Projekttasche hab ich noch genäht, weil die Angorawolle zum Mitnehmen eine nettere Aufbewahrung verdient als eine Plastiktüte und weil ich endlich was mit meinem tollen Oktopusstoff machen wollte, den ich schon seit Jahren bunkere. Einen halben Meter davon, um genau zu sein. Große Couture wird da eh nicht draus.

05-07_Juli

Im Juli war ich dann wieder etwas produktiver. Ich habe 110g Merino-Seidenmischung versponnen, das fertige Garn hat etwa 260m und könnte zum Beispiel eine Mütze werden. Dann habe ich nach dieser Anleitung aus Denim-Resten und einem Schlüsselband eine Handytasche zum Umhängen genäht. So etwas brauchte ich eigentlich seit Jahren immer dann, wenn ich im Sommer nichts mit Taschen anhatte, um das hörbuchabspielende Gerät zu verstauen. Die früheren Geräte konnte ich zur Not leidlich in den BH stopfen, musste aber auch da bei jeder Bewegung aufpassen, und seit dem iPhone 6 geht das nicht mehr. Ich könnte natürlich die Oberarmtasche, die ich auch zum Laufen verwende, nehmen, ich mag aber nicht über Stunden etwas an den Arm geschnallt haben. Und um dann mal etwas völlig anderes zu machen, habe ich mich im Kurs „Sketchbook Explorations“ auf creativebug eingeschrieben. Die erste Episode mit Wasserfarben und Fineliner war am Sonntag sehr entspannend. Ich würde eigentlich morgen gern die nächste machen. Eigentlich. Denn ein neuer regelmäßiger Job geht auch mit neuem regelmäßigen Gehalt einher. Ich habe die Tage den Sparstrumpf auf links gezogen und meinen Maschinenpark um ein Kromski Sonata und eine Bernina 1150 MDA erweitert. Jetzt rohrkrepiert meine Wochenendplanung an akuter Optionsparalyse. Selber schuld.

840 Perlen und 111 Korken

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Es fehlte noch ein Foto des fertigen Jeweled Cowl. Hier ist es. Gestrickt aus Cascade Alpaca Lace mit 4,5er Nadeln nach einer freien Anleitung von Sachiko Uemura (Link führt zu Ravelry). Damit ist das erste Langzeit-UFO abgeschlossen. Das nächste – die Socken – geht auch voran.

Dann habe ich eine weitere Idee von der langen Bank gezerrt, geweckt, abgestaubt und umgesetzt:

02-Pinnwand

Seit Jaaahren sammle ich Korken, um sie zu einer Pinnwand zu verarbeiten. Ohne eine wirklich konkrete Idee. Ich habe mich letztlich entschieden, die Korken der Länge nach zu halbieren und mit Holzleim auf die Rückwand eines Ribba-Bilderrahmens von IKEA zu kleben. Von der Verwendung der Heißklebepistole wurde mir abgeraten, also habe ich das gar nicht erst versucht. Holzleim war im Haus, den habe ich ausprobiert, und da er gut gehalten hat, bin ich dabei geblieben. Dabei habe ich ringsum die ca. 5 mm frei gelassen, die hinter dem Holz verschwinden – die Beschnittzugabe des Bildes, wenn man so will – und diesen Teil mit einigen Streifen dicker Pappe beklebt, um das Fehlen von Glas und Passepartout auszugleichen. Es wäre im Nachhinein auch eine Möglichkeit gewesen, eine stärkere Holzplatte statt der zum Rahmen gehörenden Rückwand zu verwenden, weil die allein doch etwas wobbelig ist, aber ich drücke die Pins ja nicht mit Gewalt hinein. Bei kleineren Formaten wobbelt’s vielleicht auch weniger. Aber ich wollte ja 50 x 50. Wenn schon, denn schon!

Eigentlich sollte der Abschluss des Faseradventskalenders einen eigenen Eintrag bekommen. Aber jetzt bin ich ohnehin gerade in Schwung, also zeige ich euch das Ergebnis auch gleich noch.

trillian

Die Anleitung ist Trillian von Martina Behm. Wie alle Anleitungen, die ich bisher von ihr kenne, hat sich auch diese quasi von selbst gestrickt, das Muster der Spitzenkante hat man nach ein paar Reihen im Kopf, und das Garn hat durch seine besondere Beschaffenheit auch entscheidend dazu beigetragen, das Stricken voranzutreiben („diese Farbe noch zuende und dann hör ich auf … ach nein, jetzt kommt die Seide, die stricke ich auch noch … ürgs, jetzt kommt das Kratzige, das bringe ich eben hinter mich, dann muss ich morgen nicht damit anfangen …“). Dieses Jahr wird es wieder einen Faseradventskalender von Spinnert & Gewollt geben. Beziehungsweise mehrere: da der Ansturm so groß war, war der geballte Arbeitsaufwand zu Anfang Dezember fast nicht mehr zu bewältigen, so dass man sich entschieden hat, übers Jahr verschiedene Themen-Adventskalender anzubieten. Los geht’s im März mit dem Thema „Am Meer“. Den kann man jetzt schon bestellen und er wird ab Anfang März geliefert. Da ist dann knapp neun Monate Selbstdisziplin angesagt.

Spinnfaser-Adventskalender

12250150_519155951586139_1896063745612317698_nEigentlich wollte ich zu meinem Faseradventskalender nur einen Abschlusseintrag posten – alle 24 Tütchen zeigen, jeweils ein Spulenbild vielleicht, aber das würde dem Spaß, den ich an diesem Projekt habe, überhaupt nicht gerecht. Jeden Morgen freue ich mich, das Tütchen zu öffnen, und wenn ich den Inhalt versponnen habe, werde ich hubbelig und überlege mir, was wohl morgen drin sein könnte. Ich fühle mich da beinahe in Kindertage versetzt (mit der Ausnahme, dass ich nicht schummle).
Ich habe einen Kalender von Spinnert & Gewollt. Mein Lieblingsforum (die Gruppe Podcasting auf deutsch auf Ravelry) hat zwar auch einen organisiert, aber als ich realisiert hatte, dass ich auch einen möchte, waren die schon mittendrin im verpacken und verschicken.
Ich habe die kleinste Variante gewählt, 24 x 10g schien mir machbar, denn ich war mir von Anfang an klar darüber, dass ich jeden Zag spinnen wollte. Selbstverständlich ist das nicht, es gibt so viele Möglichkeiten, was man mit 24 Faserportiönchen machen kann: erstmal sammeln, sich einen Überblick verschaffen und dann gezielt für ein Projekt oder auch mehrere spinnen. Jeden Tag einen Strang herstellen und Quadrate für eine Decke stricken. Die Portion auf zwei Spulen verteilen und die beiden Singles am Ende verzwirnen … Ich habe mich entschieden, die Fasern – komme, was da wolle, ich würde nicht moderierend eingreifen – hintereinander weg zu einem Single zu verspinnen, kettenzuzwirnen und eine Trillian draus zu stricken.