Fantasy Filmfest 2013 – Montag

Ich habe getrödelt. Das Filmfest ist fast einen Monat vorbei, und es gibt noch immer ein paar Eindrücke (Rezensionen sind es ja nicht wirklich) zu teilen.

Fangen wir an mit HAUNTER von Vincenzo Natali. Cube, Cypher und vor allem Nothing mochte ich sehr. Und in der Hauptrolle Litte Miss Sunshine Abigail Breslin. Eine Haunted-House-Geschichte aus Sicht eines Geistes. Lisa – gespielt von Breslin – und ihre Familie sind schon seit Jahren tot und in ihrem Haus gefangen. Außer Lisa scheint sich daran aber niemand zu stören. Sie durchlebt nun immer wieder den Tag vor ihrem sechzehnten Geburtstag und versucht, herauszufinden, was mit ihrer Familie damals passiert ist. Ich hatte – vermutlich der Sprache wegen – an einigen Stellen ein wenig Mühe zu folgen, die Idee hat mir gut gefallen und die Umsetzung fand ich auch gelungen.

Als Nächstes folgte THE PHILOSPHERS. Der verlangt einem dann doch nicht so viel Kopfarbeit ab, wie ich es mir nach der Beschreibung erhofft hatte – dort heißt es: „Stell Dir vor, der nukleare Ernstfall tritt ein und im Atombunker ist nur Platz für zehn Personen – es sind jedoch 21 Menschen vor dem sicheren Tod zu retten. Wie würdet ihr entscheiden?“ und dieses Szenario wird dreimal unter unterschiedlichen Bedingungen durchgespielt. Das ist spannend, weil es nicht im Klassenzimmer gezeigt wird, sondern inszeniert ist. Mir waren die Charaktere etwas zu schablonenhaft, aber die Bilder waren sehr schön und ich mag solche Fragestellungen.

Fantasy Filmfest 2013: Das Wochenende

Vincent Lannoo beim Q&AUm 13.00 Uhr hatte ich am Samstag die Wahl zwischen JUG FACE und ANIMALS – keine leichte Entscheidung, keiner von beiden wird wiederholt, letztenendes habe ich mich für ersteren entschieden – wegen Lauren Ashley Carter und Sean Bridgers, die ich vorletztes Jahr zusammen in THE WOMAN gesehen hatte. Besonders die Wandlungsfähigkeit von Bridgers hat mich beeindruckt, den hab ich ja überhaupt nicht wiedererkannt. In THE WOMAN hat er das machtbesessene, gewalttätige Familienoberhaupt gespielt, ein Arschloch vor dem Herrn, hier ist er Dawai, der etwas zurückgebliebene Töpfer einer Hinterwäldlerkommune, die zu einer Grube im Wald betet. Und ihr opfert, und zwar immer das Mitglied der Kommune, dessen Gesicht der von Dawai in Trance hergestellte Krug trägt. Die (von ihrem Bruder) schwangere Ada, gespielt von Carter, erkennt eines Tages ihr Gesicht im nächsten Krug und lässt das Ding verschwinden, aber damit macht sie es sich ein bisschen zu einfach, denn die Grube will das Opfer, das ihr zusteht. Ich hätte dem Film ein anderes Ende gewünscht, fand ihn aber sonst recht gut, es ging teilweise recht blutig zur Sache und die bedrückende, ausweglose Stimmung kam sehr gut rüber.

Dann ging es weiter mit APP. Hier war der Zuschauer angehalten, vor dem Film eine App auf seinem Smartphone zu installieren, um in den Genuss der sogenannten Second-Screen-Technologie zu kommen. Ich hab mich dem verweigert, weil ich finde, dass Handys während des Films in den Flugmodus versetzt und in die Tasche gesteckt gehören, da bin ich auch nicht verhandlungsbereit. Einige der anderen Kinobesucher haben sie aber natürlich benutzt, so dass ich meine zugegebenermaßen vorhandene Neugier ein bisschen befriedigen konnte. Die meiste Zeit war ein schlauerweise recht dunkel gehaltener Bildschirm zu sehen, und hin und wieder wurden, ausgelöst durch den Filmton, alternative oder ergänzende Szenen gezeigt. Ich konnte da nun keinen echten Mehrwert erkennen, aber es hat auch nicht wirklich gestört. Ich find’s grundsätzlich keine gute Idee, die Leute dazu zu ermutigen, während des Films mit ihrem Telefon herumzuhühnern, aber sei’s drum. Der Film selbst war zu Anfang recht spannend. Anna findet nach einer durchfeierten Nacht eine App auf ihrem Telefon. Sie nennt sich Iris (das Palindrom von Siri, was uns schon mal einen Eindruck davon vermittelt, wie subtil hier zu Werke gegangen wird, nämlich gar nicht) und kann Fragen beantworten, lässt sich jedoch nicht löschen und fängt irgendwann an, Anna und ihr Umfeld zu terrorisieren. Leider war mir sofort klar, wie die App auf ihr Telefon gekommen ist, und wenn ich die Handlung an einigen Stellen nicht vorhersehen konnte, dann deshalb, weil sie so haarsträubend unlogisch war. Ebenso wie dieser Charakter Anna: wer grad begriffen hat, dass eine App auf dem eigenen Smartphone einem Böses will und außerdem begriffen hat, dass diese App in der Lage ist, die Technik um einen herum zu beeinflussen (Schnittstellen sind was für Anfänger) und trotzdem den Fahrstuhl nimmt statt der Treppe, ist wirklich selbst schuld. Die Actionheldinnenqualitäten, die sie dann völlig unvermittelt an den Tag legte, sorgten bei mir für weiteres Kopfschütteln. Müsste ich den Film mit einem Wort zusammenfassen, wäre das wohl „unausgegoren“. Obwohl die Idee, die Zuschauer eine App installieren zu lassen, und dann die Hauptfigur mit „dieser“ App zu tyrannisieren, einen gewissen doppelbödigen Charme hat.

Es folgte I DECLARE WAR, noch ein Film von Jason Lapeyre, dessen COLD BLOODED mir am Donnerstag sehr gut gefallen hatte. Eine Gruppe Zwölfjähriger spielt im Wald Krieg, mit Zwille, Stöckern und Wasserbomben, die in der Fantasie (und auf der Leinwand) zu Armbrust, Gewehren und Handgranaten werden. Die schauspielerische Leistung der Kids hat mich sehr beeindruckt, und ich fühlte mich zeitweise in meinen Wald versetzt, in dem ich herumgetobt habe und auf Bäume geklettert bin. Und letztenendes hat es mich – und da bleibe ich jetzt bewusst vage – daran erinnert, warum meine Freunde meine Freunde sind. Im Programmheft steht was von „Herrn der Fliegen für eine neue Generation“ – das teile ich nicht.

Um 19.15 dann IN THE NAME OF THE SON in Anwesenheit des Regisseurs Vincent Lannoo, der hinterher noch zum Q&A zur Verfügung stand (daher stammt das Foto). Es war recht voll und ich war hier zum ersten Mal vom Publikum genervt. Der Film wurde als schwarze Komödie angekündigt, weswegen das Publikum möglicherweise meinte, jeden zweiten Satz mit schenkelklopfendem Gelächter quittieren zu müssen, und es war um mich herum auch sonst ziemlich unruhig, so mit „krass Alta!“ und ähnlichen Äußerungen. Ich hab’s nicht verstanden. Der Film ist meines Erachtens in dem Sinne eine Komödie, in dem Hagen Rether ein Comedian ist. Mir sind etliche Lacher im Hals steckengeblieben, dafür erschienen mir viele Dialoge einfach zu echt, fast dokumentarisch (was Lannoo hinterher bestätigte). Trotzdem oder gerade deswegen ein toller Film mit einer großartigen Hauptdarstellerin, wieder ein sehr interessantes Q&A, das, wenn ich das richtig mitbekommen habe, noch im kleineren Kreis an die Bar verlegt wurde – ich habe kurz überlegt, mich anzuschließen, aber mein Dartverein hatte Sommerfest und ich hatte zugesagt, dort noch kurz vorbeizuschauen. Das waren am Samstag also vier Filme hintereinander, und ich glaube, das ist mein persönliches Limit.

Am Sonntag habe ich dann meinen ersten Bollywood-Film gesehen. MAKKHI, eine Rachegeschichte mit viel Musik, Tanz und Gesang. Jani ist verliebt in Bindu. Sie hält ihn hin, ist aber eigentlich auch verliebt in ihn. Als Sudeep Bindu das erste Mal sieht, beschließt er, sie zu erobern, denn alle Frauen tanzen nach seiner Pfeife. Dass er bei ihr nicht landen kann, weil sie nur Augen für Jani hat, reizt ihn natürlich umso mehr. Er ermordet Jani, dessen Seele in einer Fliege wiedergeboren wird, um das kurz vor seinem Tod gegebene Versprechen „Wenn du dich ihr näherst, töte ich dich!“ zu erfüllen. Wie diese Fliege nun Sudeep das Leben zur Hölle macht, ist augenzwinkernd witzig, die Fliege ist wirklich cool und sehr liebenswert, und es geht außerdem ordentlich was kaputt. Der hat wirklich sehr, sehr viel Spaß gemacht, das hätte ich gar nicht erwartet.

Abends gab es dann BYZANTIUM, einen sehr stimmungsvollen Vampirfilm mit tollen Bildern und einem schönen Soundtrack. Ich brauche eine Aufnahme dieser Beethoven-Klaviersonate. Gemma Arterton und Saoirse Ronan als Mutter und Tochter, die seit zweihundert Jahren vor einer Vampirbruderschaft fliehen. Die Geschichte bot nicht wirklich Überraschungen, aber die Möglichkeit, in Bildern und Musik zu schwelgen, und viel mehr hatte ich eigentlich auch nicht erwartet. Ich würde Saoirse Ronan gern mal in einer anderen Rolle sehen als dem introvertierten Mädchen. Ich hoffe, sie bekommt diese Chance mal. Selbst als Auftragskillerin in VIOLET & DAISY war sie ja irgendwie ein stilles liebes Mädchen und eigentlich ein Opfer.

Danach das Centerpiece: SWEETWATER. Ein Western. Western ist einfach nicht mein Genre. Dieser hatte ein paar schräge Charaktere zu bieten, allen voran Ed Harris als exzentrischer Sheriff Jackson. Und Kostüme gucken (das lila Kleid von January Jones!) ist natürlich auch immer toll, ich hab teilweise überlegt, dass ich gern auch so eine hochgeschlossene Bluse nachnähen würde, aber bei so vielen Knopflöchern bestimmt wahnsinnig würde, jedenfalls wenn ich das mit meiner alten Singer versuche … woran man ja vielleicht schon erkennen kann, dass mich die Handlung nicht so wirklich gepackt hatte. Naja. Irgendwie war ich auch gesättigt. Habe mir den Spätfilm also verkniffen und fange heute auch erst um 19.15 an.

Fantasy Filmfest 2013: Tag 2

Heute gab es zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch, eine Gemeinsamkeit gibt es: eine starke weibliche Hauptrolle. Der erste Film war COLD BLOODED: Juwelendieb Cordero wacht nach einem missglückten Bruch in einem stillgelegten Flügel des Krankenhauses auf, bewacht von der jungen Polizistin Frances Jane. Nur er weiß, was passiert ist. Nach kurzer Zeit taucht sein Boss auf und will die gestohlenen Diamanten an sich bringen sowie Cordero für seinen Verrat bestrafen – denn der wird außerdem beschuldigt, seinen Partner getötet zu haben. Die gewissenhafte Polizistin Jane und Pokerface Cordero müssen sich verbünden, wenn sie heil aus der Nummer herauskommen wollen, denn Corderos Boss schreckt vor nichts zurück. Spannend, toll gecastet, die Dialoge auf den Punkt – mir hat der Film sehr gut gefallen. Einfach, weil die beiden Hauptfiguren auch so sympathisch sind, dass man Ihnen nichts Böses will, hatte ich mich die ganze Zeit in meine Armlehne verkrallt.

Der zweite Film war dann BLANCANIEVES. Ein Stummfilm, schwarz-weiß. Pablo Berger inszeniert Schneewittchen als Matadora im Sevilla der Zwanziger Jahre. Ich habe noch nie einen Stummfilm gesehen, auch The Artist nicht, was in erster Linie daran lag, dass ich nichts Gutes vom Standard-Kinopublikum erwartet habe: das denkt ja gern mal, dass, wenn auf der Leinwand nicht gesprochen wird, auch nichts passiert, und man sich unterhalten darf. Dass das Publikum bei diesem Festival anders ist, ist auch ein Grund, warum ich mich jedes Jahr wieder drauf freue. Nun ja, anderes Thema. Ich war jedenfalls völlig fasziniert davon, wie ein Regisseur seine Darstellungsmittel in der heutigen Zeit so reduzieren und doch so viel ausdrücken kann. Er hat nicht nur weitestgehend auf Sprache verzichtet – mir fehlt wie gesagt der Vergleich, aber es waren meinem Eindruck nach nur wenige Tableaus – sondern auch auf Farbe. Stierkampf, Schneewittchen, vergifteter Apfel, … man sollte doch meinen, dass er Farbe, besonders rot, sehr gut hätte gebrauchen können. Aber er hat darauf verzichtet und es hat nichts gefehlt. Und er erzählt dieses Märchen von Schneewittchen und den sechs kleinwüchsigen Torreros so dermaßen verschroben, dass es wirklich eine Freude ist. Es gibt noch keinen deutschen Starttermin, aber er soll in Deutschland ins Kino kommen und ist auf jeden Fall eine Empfehlung.

Morgen habe ich frei. Ich könnte mittags Europa Report gucken, aber danach läuft nichts mehr, was mich interessiert, also mache ich einen Tag Pause. Das Wochenende wird voll genug.

Fantasy Filmfest 2013: Tag 1

IMG_3840Opening Night: THE CONGRESS. „Es ist großartig, dass der Film auf einem Fantasy-Festival läuft“, sagte Regisseur Ari Folman vor Beginn des Films, „für ein Publikum wie euch habe ich ihn gemacht.“ Er riet weiterhin dazu, sich anzuschnallen, zurückzulehnen und nicht allzu viel zu denken. Tatsächlich sind die Bilder überwältigend und verwirrend, gefilmte Szenen sind die eine, regenbogenbunte, psychedelische Animationen die andere Hälfte des Films, dessen Basis der Roman „Der futurologische Kongress“ von Stanisław Lem ist. Die Essenz ist jedoch simpel: es geht um Identität und Entscheidungen, um die Konsequenzen unserer Entscheidungen, wer wir sind und wer wir sein wollen. Nach dem Film stand der Regisseur noch für ein Q&A zur Verfügung, dem ich noch viel länger hätte zuhören mögen, aber der nächste Film sollte anfangen, so fand es ein etwas abruptes Ende.

Danach gab es BIG ASS SPIDER! mit Greg Grunberg als Kammerjäger Alex und Ray Wise (den der eine oder andere vielleicht noch als Leland Palmer aus TWIN PEAKS in Erinnerung hat) als Major Tanner. Greg Grunberg fand ich wirklich sehr lustig, und zusammen mit seinem Sidekick, Security Guy José, trägt er den Film. Eigentlich war das ja alles gut gemeint, berichtet der Wissenschaftler, der zusammen mit den Special Forces angerückt ist, um „die Sache“ wieder in Ordnung zu bringen, etwas widerwillig (die Sache ist eine Spinne von der Größe einer Stadtvilla, die eine mit eingesponnenen Skeletten garnierte Schneise der Zerstörung durch Downtown L.A. trampelt). Sie hatten ein wachstumsförderndes Gen aus Marsfossilien isoliert und folgten der Vision von Tomaten, von denen eine einzige Frucht einen ganzen Stadtteil ernähren könnte. Dummerweise war in einer der Pflanzen ein Spinnengelege, und die Tierchen haben auf das wachstumsfördernde Mittel leider verblüffend gut angesprochen. Wir lernen also wieder: gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Apropos gut gemacht, die Spinnen fand ich schon ziemlich gut animiert, besonders die kleinen, und die Effekte einigermaßen eklig. Ich hab an anderer Stelle schon „boah war das schlecht animiert“ gelesen, aber für mich hat’s gereicht, ich kann über Schönheitsfehler auch hinwegsehen, wenn der Rest stimmt. Die Story ist klischeeüberladene Nebensache und das komplette Team muss beim Dreh einen Heidenspaß gehabt haben, der sich direkt auf mich übertragen hat – ich bin jedenfalls mit einem breiten Grinsen aus dem Kino gekommen.

Mal schauen, ob ich es dieses Jahr schaffe, mit meinen Festivaleinträgen dranzubleiben. Die letzten Jahre hat das ja nicht so geklappt. Heute gibt es COLD BLOODED, dann das vorletzte Sommerliga-Spiel und dann den Stummfilm BLANCANIEVES.

Gruß aus dem dänischen Wollparadies

geilsk_und_mehrHeute war ich bei TIND – textil og kunst, nach eigener Aussage „Vestlyllands smukkeste butik“, also das schönste Geschäft an der Nordseeküste, was möglicherweise stimmt. Es liegt mitten im Löwenzahn-umwucherten Nirgendwo und füllt zwei Etagen eines Holzhauses im für Dänemark typischen Stil. Im Erdgeschoss finden sich allerlei Kleidung, Schmuck und Schuhe und ein riesiger Zimmerbrunnen. Dort habe ich mich allerdings gar nicht lange aufgehalten, denn durch die atriumartig offene Bauweise konnte ich schon sehen, dass mein Ziel sich im ersten Stock befand.

Oben gab es praktischerweise auch einen Tisch mit Tee und Kaffee, an den man sich setzen und die vielen Musterordner (Geilsk, Isager, Danielsen …) und Bücher durchschauen konnte. Wahlweise hätte man dort auch eventuell quengelig gewordene Miturlauber wieder aufpäppeln können. Solche hatte ich allerdings nicht dabei, A. fand es selbst spannend, und den Liebsten kann eine Frau im Wollrausch nicht schrecken, solange er ein Buch dabei hat, und er hat immer ein Buch dabei. Zur Not „Krieg und Frieden“ als eBook auf dem iPhone (8900 Seiten). Alles im harmlosen Bereich, solange er keine Meinung dazu haben muss, welcher der beiden fast (aber eben nur fast) identischen Blautöne mir besser steht.

trekantomraadeIch habe mir also wie geplant ein Trekantsområdet-Kit von Geilsk im dem Blau, das für etwas schmeichelnder befunden wurde, gekauft (Farbe C33), wobei ich besonders stolz darauf bin, dass etwa Dreiviertel des Verkaufsgesprächs tatsächlich auf Dänisch stattfand. Außerdem habe ich ein Buch von Annette Danielsen mitgenommen – Strik en Stund (die deutsche Ausgabe heißt „Stricken für Zeitvergesser“) – und es schon reichlich mit Lesezeichen versehen. Mir gefallen für’s Erste Morgenstund, Stilhed, Regnvejrsdag und Kaffe (alles Ravelry-Links) … aber erstmal ist Trekantsområdet (auf deutsch etwa „Dreiecksgebiet“) dran. Und davor stricke ich natürlich Livstykketrøje fertig. Selbstverständlich. Überhaupt keine Frage.

Jollen und kleine Kielyachten

grundscheinDie letzten anderthalb Monate sind wieder wie im Fluge vergangen. Ich war ständig beschäftigt, mit Arbeit, mit Umzugsvorbereitungen, habe Susanne getroffen, Dart gespielt, sehr wenig gestrickt – lediglich ein Paar Filzpuschen für den Mann, die aber in tiefdunkelschwarz, also sowieso nicht fotografierbar. Die letzte Woche habe ich in Glücksburg verbracht, an der Hanseatischen Yachtschule, um dort in einer Woche den Segel-Grundschein zu machen. Ich bin jetzt also zertifizierte Segelanfängerin und werde diese Saison versuchen, mit der Alster warm zu werden – mal gucken, wie er mir gelingt, der Umstieg von zwei Tonnen Folkeboot und stetigem Wind auf der Flensburger Förde auf eine der Vereinsjollen bei alstertypischen Windwechseln. Sollte ich damit gar nicht zurechtkommen, heuere ich bei den großen Jungs auf dem Drachen als Vorschoterin an – dafür wird es auf jeden Fall reichen, und die Dame liegt etwas ruhiger im Wasser, als die kippeligen Jollen.
Nächste Woche geht es erstmal für eine Woche nach Dänemark. Und bis dahin wollte ich Livstykketrøje fertig bekommen, damit ich mir guten Gewissens in Ringkøbing ein neues Geilsk-Kit kaufen kann – Trekantsområdet finde ich sehr schön.

Vollkontakttöpfern

Ich kann seit diesem Wochenende einen weiteren Haken in meiner „Dinge, die ich unbedingt mal ausprobieren muss“-Liste machen, und zwar beim Eintrag „Drehen an der Töpferscheibe“. Ich habe einen Wochenendkurs an der Hamburger Volkshochschule belegt. In kleinstem Kreis – insgesamt waren wir zu sechst – haben wir gelernt, wie man den Tonklops auf der Scheibe zentriert, aufbricht, den Boden des Gefäßes formt und schließlich die Wandung hochzieht. Jeder dieser Arbeitsschritte hat so seine Tücken. Heute haben wir dann die gestern geformten Gefäße „abgedreht“, das heißt: mit dem Boden nach oben auf der Scheibe zentriert und Wände und Kanten bearbeitet. Dabei kann auch noch einiges schief gehen. Die Teile, die auch diesen Arbeitsschritt unbeschadet überstanden haben, werden im Laufe der Woche geschrüht, also bei 900 °C gebrannt. Am Sonntag treffen wir uns noch einmal, um sie zu glasieren. Die Stücke auf dem Bild sind nicht alle von mir, der etwas höhere Topf in der Mitte (Teebecher oder Vase?) allerdings schon.

Fazit: es ist körperlich anstrengender als gedacht (ich habe Muskelkater!). Es sieht leichter aus, als es ist. Es war erwartungsgemäß eine Sauerei: alte Klamotten sind eine gute Idee, auch wenn der Ton da gut wieder raus geht. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, wie ich meine Stiefel wieder sauber kriege. Ich hoffe, trocknen lassen und bürsten reicht aus. Alles in allem hat der Kurs sehr viel Spaß gemacht, den werde ich sicher irgendwann wiederholen. Und dann versuche ich mich mal an einer Yarn Bowl. Erdnussschalen habe ich ja jetzt genug.

25. Fantasy Filmfest – Review

Für mich ging das Fantasy Filmfest gestern zuende, denn morgen geht’s in aller Frühe nach Griechenland, und heute habe ich noch allerhand auf dem Zettel. Ich habe weniger Filme gesehen, als ich eigentlich wollte, dafür war keine Niete dabei, sie haben mir alle gut bis sehr gut gefallen.

Den Anfang machte DON’T BE AFRAID OF THE DARK, der auch Opener des Festivals war. Ich habe mich ein paar Mal ganz ordentlich erschrocken und ansonsten die wirklich märchenhaften Bilder genossen. Erinnerte mich sehr an Pans Labyrinth.

Am nächsten Tag gab es I AM YOU, einen ausgezeichnet besetzten und sehr intensiven australischen Thriller, der umso beklemmender wirkt, wenn man sich vor Augen führt, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Insbesondere Ruth Bradley als schwer gestörte Caroline ist beeindruckend.
Am Freitag hatte ich dann zwei Filme hintereinander, HESHER und HELL, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Ich hätte gern etwas mehr Pause zwischen beiden gehabt, insbesondere weil im Abspann von Hesher sehr viel Liebe zum Detail steckt. Auch dieser Film kann mit einem sehr guten Cast aufwarten und einer Story, die so abwegig ist, dass sie auch hätte schiefgehen können. Ist sie aber nicht, Hesher ist komisch und auch unheimlich rührend. Hell war mein erster deutscher Film, und er war … ok. Er erzählt nicht viel Neues, es ist alles irgendwie vorhersehbar, aber die Besetzung ist gut und die Bildsprache gefiel mir auch. Und das, wo deutsche Filme es bei mir oft schwer haben.

Am Samstag ging es dann weiter mit THE INNKEEPERS, bei dem ich mich un-glaub-lich gegruselt habe! Meine Güte! Ich wollte einfach nicht, dass den beiden netten Angestellten vom Yankee Pedlar Inn (die ihre letzte Schicht schieben, bevor das Gebäude in der kommenden Woche einem Parkhaus weichen muss, weswegen es auch kaum noch Gäste gibt und die beiden sich irgendwie die Zeit vertreiben müssen, und zwar indem sie die Spukvergangenheit des Hauses ergründen) etwas zustößt. Und das Kino 4 war auch laut – wenn es geknallt hat, dann immer gleich richtig. Naja. Später gab es dann JULIA X 3D, meinen ersten 3D-Slasher (das Programmheft schlägt als Genre „Torture Porn Comedy“ vor und ich hab dem nichts hinzuzufügen). Am Kinoausgang wurden Erfrischungstücher gereicht, das fand ich sehr aufmerksam.

Meine beiden Highlights – neben I am You – gab es dann am Sonntag. Zunächst THE WOMAN, der beim Sundance Festival für einen Skandal sorgte. Der Plot ist schnell erzählt: Familienvater Chris findet bei einem Jagdausflug eine wilde Frau im Wald, fängt sie ein und beschließt, ihre (Re)sozialisierung zum Familienprojekt zu machen. Das Blutbad am Ende fand ich nicht so schwer zu ertragen wie den alltäglichen Horror in dieser Familie, der langsam zum Vorschein kommt, als die Bilderbuchfassade zu bröckeln anfängt. Man fragt sich, wie das so lange gut gehen konnte. Und was „gut“ in dem Zusammenhang überhaupt bedeutet. Und weil Wechselbäder gesund sind, gab es direkt im Anschluss SUPER, meine persönliche Closing Night. Und was soll ich sagen, meine durchaus hohen Erwartungen wurden erfüllt. Super ist super und kriegt einen Platz in der DVD-Sammlung.

Es ist wieder ein Jahr rum. Nächstes Jahr ist mein persönliches 15jähriges Jubiläum. Ob ich mir da tatsächlich mal eine Dauerkarte bestelle?