Time to say Goodbye


Einer der Vorsätze für dieses Jahr war, eine Entscheidung zu treffen, wie es mit dem Beekeepers Quilt weitergehen soll. Begonnen habe ich dieses Projekt mit großer Begeisterung im November 2013. Habe ein paar von den kleinen fluffigen Sechsecken gestrickt. Habe nach fünfundzwanzig Stück die Lust verloren, als mir nach und nach klar wurde, dass es ungefähr ewig dauern würde, die knapp über tausend Hexipuffs für eine Decke der gewünschten Größe zu stricken. Und dann lag das Projekt rum. Bis zum guten Vorsatz Anfang dieses Jahres. Ich habe beschlossen, weiterzumachen, und jeden Monat sechs Stück zu stricken – zwei für jeden Tag, an dem eine Sechs im Datum vorkommt. Mehr waren jederzeit erlaubt, und mehr wurden es zur Fußball-EM, wo ich pro Halbzeit plus die Analyseschwafelviertelstunde danach ein Sechseck geschafft habe. Da musste ich mich aber auch ranhalten – allzu viele Griffe in die Chipstüte oder gebanntes Verharren angesichts eines Spielzuges waren nicht drin. Allerdings war nach der EM wieder sowas von die Luft raus aus dem Projekt und ich habe seitdem nicht mal die anvisierten sechs pro Monat geschafft, sondern lediglich einen. Ü-ber-haupt keine Lust hatte ich.  

Sechs pro Monat – in diesem Tempo hätte ich hundertzweiundsechzigeinhalb Monate gebraucht, um tausend Stück zusammen zu haben. Dreizehn Jahre und neuneinhalb Monate. Ich wäre also ungefähr an meinem 57. Geburtstag fertig gewesen (mit dem Stricken, nicht mit dem Zusammennähen) Alternativ habe ich grob überschlagen, wie viel Strickzeit mir durchschnittlich zu Verfügung steht und wie lange ich brauchen würde, wenn ich meine komplette Zeit nur noch in dieses Projekt stecken würde, und kam auf vierzehn Monate. Schon überschaubarer. Allerdings könnte ich aus dem Stand fünf Strickstücke aufzählen, die ich lieber haben wollte als eine Tagesdecke aus Sechsecken. 

Ich habe mich also entschieden, das Projekt zu beenden, und habe auf Ravelry nach Abnehmern für die zweiundachtzig Hexipuffs gesucht. Vielleicht braucht ja jemand, der selber an dieser Decke arbeitet, einen kleinen Motivationsschub? Und natürlich bekam ich einen großartigen Tipp, das ist einfach einer der Gründe, warum ich dieses Forum so mag. Jo vom Shinybees-Podcast (den ich noch nicht kenne, aber das wird sich in den nächsten Tagen ändern) hat mit der Handfärberin Countess Ablaze eine Charity-Aktion ins Leben gerufen: sie werden Hexipuffs sammeln und zu Decken verarbeiten und diese dann in einer Tombola verlosen. Den Erlös spenden sie an eine wohltätige Organisation, die obdachlose und anderweitig bedürftige Frauen mit Hygieneartikeln versorgt. Ich finde das eine sehr gute Idee und habe heute kurzentschlossen ein Päckchen gepackt und direkt zur Post getragen, bevor ich es mir wieder anders überlege. Ich fühle mich befreit und werde die Aktion weiter verfolgen. Ich bin gespannt, wie viele Sechsecke die Mädels zusammenkriegen und hoffe, ich sehe nachher ein Foto der fertigen Decke.

Die letzten zweieinhalb Monate in zehn Minuten …

Ich habe seit Mai einen neuen Job. Festanstellung, Vollzeit. Manchmal sehr volle Vollzeit. Ich bin abends meist recht platt und handarbeite zur Zeit wenig, und nach 40+x Stunden vor dem Bildschirm habe ich auch nur noch wenig Antrieb, mich zum bloggen hinzusetzen. Außerdem wird’s hier im Sommer ja ohnehin weniger, da bin ich eher draußen. Und jetzt gibt es auch noch Pokémon Go, herrje, das hat mich ja voll erwischt. Drüben auf Ravelry bin ich noch recht aktiv, wenn man es als „aktiv“ gelten lässt, dass ich durch meine Lieblingsforen gucke und Herzchen verteile. Na gut, und ich pflege meine Projekte und melde mich brav jeden Monat in der Podcasting auf deutsch-Gruppe zum MMM Check-In (MMM wie „Motivation, Meilensteine, Mottomonate“). Und staune, was dann über den Monat doch zusammengekommen ist, obwohl ich eigentlich nicht das Gefühl hatte, irgendwas geschafft zu haben.

05-07_Mai

Ich habe im Mai aus der Angora Pure von Seidenhase, die ich im Oktober in Vaterstetten gekauft habe, ein weiteres Sonnenfeuer angeschlagen. Da bin ich auch noch bei, die erste Hälfte ist fast fertig. Außerdem hatte ich mir vorgenommen, vor der Tour de Fleece die GOTS-Merino von der Stockumer Wollwerkstatt endlich vom Rad zu kriegen. Die war da nämlich seit Januar 2015 drauf und so langsam wollte ich mal was anderes sehen. Ich hab also ordentlich ins Pedal getreten …

05-07_Juni

… und im Juni war dann alles versponnen. 250g, irgendwo zwischen Fingering und Sport Weight. Und außerdem war Fußball-EM, da habe ich jede Menge Hexipuffs für den Beekeepers Quilt gestrickt. Die eignen sich nämlich hervorragend als Nebenbei-Projekt, und wenn ich mich ranhalte, schaffe ich pro Halbzeit eines. Und ich habe viele Spiele gesehen. Jetzt ist auch erstmal wieder gut mit Fußball. Und mit Hexipuffs. Ich glaube, seit der EM ist ein einziger fertig geworden. Eine Projekttasche hab ich noch genäht, weil die Angorawolle zum Mitnehmen eine nettere Aufbewahrung verdient als eine Plastiktüte und weil ich endlich was mit meinem tollen Oktopusstoff machen wollte, den ich schon seit Jahren bunkere. Einen halben Meter davon, um genau zu sein. Große Couture wird da eh nicht draus.

05-07_Juli

Im Juli war ich dann wieder etwas produktiver. Ich habe 110g Merino-Seidenmischung versponnen, das fertige Garn hat etwa 260m und könnte zum Beispiel eine Mütze werden. Dann habe ich nach dieser Anleitung aus Denim-Resten und einem Schlüsselband eine Handytasche zum Umhängen genäht. So etwas brauchte ich eigentlich seit Jahren immer dann, wenn ich im Sommer nichts mit Taschen anhatte, um das hörbuchabspielende Gerät zu verstauen. Die früheren Geräte konnte ich zur Not leidlich in den BH stopfen, musste aber auch da bei jeder Bewegung aufpassen, und seit dem iPhone 6 geht das nicht mehr. Ich könnte natürlich die Oberarmtasche, die ich auch zum Laufen verwende, nehmen, ich mag aber nicht über Stunden etwas an den Arm geschnallt haben. Und um dann mal etwas völlig anderes zu machen, habe ich mich im Kurs „Sketchbook Explorations“ auf creativebug eingeschrieben. Die erste Episode mit Wasserfarben und Fineliner war am Sonntag sehr entspannend. Ich würde eigentlich morgen gern die nächste machen. Eigentlich. Denn ein neuer regelmäßiger Job geht auch mit neuem regelmäßigen Gehalt einher. Ich habe die Tage den Sparstrumpf auf links gezogen und meinen Maschinenpark um ein Kromski Sonata und eine Bernina 1150 MDA erweitert. Jetzt rohrkrepiert meine Wochenendplanung an akuter Optionsparalyse. Selber schuld.

Januar

HexipuffsFür den Januar hatte ich mir vorgenommen, den Jeweled Cowl fertigzumachen. Eigentlich hatte ich mir zunächst vorgenommen, ihn „signifikant voranzubringen“ und die bestehende Reihenanzahl zu verdoppeln. Ich bin diesen Monat umgezogen und war nicht sicher, wie viel Zeit ich überhaupt zum stricken haben würde, außerdem wusste ich zwar noch, wann ich das Teil begonnen hatte, nicht aber, wie viele Stunden oder Tage ich schon hineingesteckt hatte. Die doppelte Reihenanzahl hatte ich bereits nach wenigen Tagen geschafft. Und nachdem ich hochgerechnet hatte, wie viele Stunden noch in etwa dran zu stricken sein würden und welchen Aufwand das auf den Tag heruntergebrochen bedeuten würde (etwa eine Dreiviertelstunde), dachte ich mir: nicht lang fackeln – fertigmachen! Und jetzt trocknet er gespannt auf der Moosgummimatte und ist da so unfotogen wie alle Strickstücke, die auf Moosgummimatten trocknen, deswegen habe ich heute leider noch kein Foto für euch.

Stattdessen zeige ich euch die Hexipuffs. Ich habe mich entschlossen, mit dem beekeepers quilt weiterzumachen. Als Resteprojekt hat er keine hohe Priorität, daher hatte ich beschlossen, an jedem Tag mit einer 6 im Datum Hexipuffs zu stricken. Für Januar war das Ziel einer pro Tag, also drei, geworden sind es fünf. Zukünftig sollen es zwei pro 6./16./26. werden.

Für den Februar habe ich mir das nächste UFO vorgenommen, 2013 begonnene Socken. Der erste Schaft ist etwa zur Hälfte fertig, ich weiß nicht mehr, welches andere tolle Projekt diesen Socken in die Quere gekommen ist. Dass ich sie nicht weitergestrickt habe lag daran, dass sie ein Geschenk hätten werden sollen und die vorgesehene Empfängerin sich als no longer knitworthy erwiesen hatte. Das passiert selten, aber es passiert. Ich finde die Farben allerdings auch toll, und auf ein Paar Socken mehr oder weniger kommt es dann auch nicht an. Außerdem stehen diesen Monat ein Schlüsselbrett mit Kreuzstichmuster und eine Küchengardine an. Letzteres keine große Kunst, sondern eine langweilige Schwarzbrot-Näharbeit, die Überwindung kostet. Ich werde eine vorhandene Gardine kürzen und mit Schlaufen versehen. Ersteres Neuland, zu dem lediglich eine vage Idee, ein Döschen voll Sticktwist und die Kreuzsticherfahrungen aus dem Handarbeitsunterricht in der fünften Klasse existieren. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

23 done. 1627 to go.

hexipuffsIch habe ein neues Unterwegs-Strickzeug, und zwar den „beekeepers quilt“ von tiny owl knits. Ich weiß gar nicht mehr, wann und wo ich das Muster entdeckt habe. Vermutlich hab ich mich auf Ravelry mal wieder vom Hundertsten ins Tausendste geklickt, wie das immer so ist. Dann habe ich es – Feuer und Flamme – heruntergeladen, dann lag es ein bisschen auf meiner Festplatte herum, und nun habe ich es angefangen. Alles zu seiner Zeit. Karpen wurde zu groß zum Mitnehmen, Socken mag ich momentan nicht stricken, und das andere von der Größe her (noch) mitnahmegeeignete Strickzeug, das ich momentan in Arbeit habe, ist ein Color Affection von Veera Välimäki aus Drops Alpaka, und an dem arbeite ich nur in sauberer, rauchfreier Umgebung. Also stricke ich in Bus und Bahn, in der Mittagspause, im Wartezimmer, im Café oder in der Kneipe „hexipuffs“ – wie die Designerin sie nennt: das sind sechseckige Kissen, die in der Runde gestrickt werden, es gibt also keine linke Seite, der fertige Quilt wird von beiden Seiten schön aussehen. Das hat mich letztenendes von diesem Muster überzeugt. Ich suche eigentlich schon länger nach einem Projekt, bei dem ich meine gesamten Sockenwollreste und Sockenwollaffektkäufe verarbeiten kann und habe mir ein paar Anleitungen angesehen. Einige haben mir richtig gut gefallen, zum Beispiel Bobby’s Garden (Ravelry-Link) oder zuletzt die Escher-Interpretationen von Jana Huck (ebenfalls auf Ravelry) – wobei letzteres einige Fragen aufgeworfen hätte, was die Farbwahl angeht, in komplett Kraut und Rüben käme das Muster überhaupt nicht richtig zur Geltung. Zudem haben beide eine linke Seite und sind auch eher dünn, wenn ich sie aus Sockenwolle stricke. Nicht so die „hexipuffs“. Da liegt das Material nicht nur doppelt, sondern sie bekommen durch Füllwatte nochmal mehr Substanz. Zusätzlich habe ich den Vorschlag aus der Anleitung angenommen und jedes Sechseck zusätzlich mit ein paar Lavendelblüten befüllt – in erster Linie soll das verhindern, dass die ersten Sechsecke schon von Motten aufgegessen worden sind, bevor die letzten fertig sind. Und es neutralisiert auch den Mief aus den Raucherkneipen, in denen die meisten Dartspiele stattfinden. Die Idee ist momentan noch, einen Bettüberwurf von etwa 2×3 Metern daraus werden zu lassen. Vielleicht ist das ein etwas sehr sportliches Ziel. Grob überschlagen brauche ich für einen Quilt dieser Größe 1650 Hexipuffs. Ich hab ja auch noch meine anderen Strickprojekte, also rechnen wir mal 1-2 am Tag. Das kann dann schon ein paar Jahre dauern. Andererseits hab ich’s ja nicht eilig, und ich kann auch jederzeit weitere Sechsecke ansetzen, da das ganze Teil am Ende nicht eingefasst wird. Also könnte ich mich vom Stuhlkissen über den Sofaüberwurf zur Tagesdecke vorarbeiten und hätte an den Zwischenstadien des Quilts auch schon Freude. Und beim Stricken ja sowieso. 1650 kleine Erfolgserlebnisse.