Was lange währt …

 

Livstykketrøje ist fertig. Fertig! So wie in: muss nix mehr dran gemacht werden. Kann angezogen werden. Finished. Ist kein wip mehr, sondern ein Kleidungsstück. Ja, ich weiß. Ich hab auch nicht mehr wirklich damit gerechnet, aber irgendwoher habe ich Anfang des Jahres den nötigen Schwung genommen, das Teil aus seiner lavendelgesicherten (das wär’s noch gewesen, ’ne Mottenattacke auf der Zielgeraden!) Plastikbox in der Area 51 befreit und es zuende gebracht. Es fehlte im Grunde nur noch die Armkugel des ersten Ärmels, der komplette zweite Ärmel und die Blende für den hinteren Halsausschnitt. 

Die erste Armkugel hab ich dann auch gleich zweimal gestrickt, na klar, bei fünf Jahren kommt es auf die paar Tage auch nicht an. Den zweiten Ärmel habe ich zweimal angeschlagen, beim ersten Mal hab ich mich verzählt. Außerdem hatte ich beim ersten Ärmel bestimmt einen guten Grund dafür, dass ich die Zunahmen nicht so gemacht habe, wie die Anleitung es vorsieht, weder Beginn noch Abstände habe ich eingehalten. Dabei hatte ich mir bestimmt was gedacht. Wenn ich es nur notiert hätte! Aber man plant ja nicht, dass ein Projekt fünf Jahre dauert und dass das Kurzzeitgedächtnis irgendwann sagt „Ich hab hier noch diese Maschenzahlen für den Jackenärmel, braucht das noch irgendwer?“ („Nö, hau weg!“) Nun sind die beiden Ärmel minimal unterschiedlich, aber auch meine Arme sind minimal unterschiedlich, das Rippenmuster verzeiht vieles und ehrlich gesagt sieht das kein Mensch. Selbst ich, die ich sonst, wenn ich weiß, dass ein Fehler drin ist, nur den Fehler sehe, muss echt genau hingucken. Und das mache ich einfach nicht. So.

Ich mag das Jäckchen, ich muss mal schauen, wozu ich es anziehen kann. Zur Hose passt es nicht, dafür ist es zu kurz und die Taille zu hoch, und zur Hose war es auch nie gedacht. Ursprünglich hatte ich ein Kleid dazu genäht, allerdings aus unelastischem Batist und ohne Anpassungen an meine Maße, es saß nicht wirklich gut, ich hab es zweimal getragen und mich ziemlich unwohl darin gefühlt, also hab ich mich davon verabschiedet. Aber ich habe mich ja zwischenzeitlich mit Jersey angefreundet und ich hab noch den Lupita-Schnitt vom Milchmonster hier liegen, ich glaube, die beiden müssten sich vertragen. 

Die Eckdaten: Anleitung Livstykketrøje von Geilsk, dort nur im Kit erhältlich. Das Garn ist Bomuld og Uld (Baumwolle und Wolle im Verhältnis 1:1), mit dem ich jetzt schon drei Teile gestrickt habe, eine wirklich schöne Qualität und in vielen Farben erhältlich. Diese trägt den etwas nüchternen Namen C23. Ich glaube, ich bin für Größe M mit 6 Knäulen ausgekommen, aber ich hatte zwischenzeitlich eins nachgekauft und habe nun eins über. Ich kann’s nicht mehr nachvollziehen. Würde ich das Teil noch einmal stricken? Eher ja. Ich hab aber noch so viele andere Projekte, also wird’s dazu wohl die nächsten Jahre erstmal nicht kommen.

Frühlingsjäckchen Knitalong, oder: Swatching!

Ich habe keine Lehrbuchmaschenprobe gemacht. Habe ich noch nie, also jedenfalls nicht mit waschen und allem. Ich habe allerdings ein Probeläppchen mit Nadelstärke 3,25 angeschlagen (die Anleitung verlangt nach 3,0 bis 3,5). Und wieder aufgeribbelt, weil es mir zu locker war. Ich stricke jetzt mit 3,0. Dreikommanull! Anscheinend nimmt mit dem Alter die Nadelstärke ab. Als ich anfing zu stricken – also für mich, nicht mehr für meine Puppen – habe ich nicht unter Nadelstärke 5 gearbeitet, Socken nicht unter 3,5. Irgendwann habe ich die Stricknadeln meiner Oma geerbt und bin seither im Besitz von hochwertigen 2,5er Rundnadeln in unterschiedlichen Längen. Ich habe sie nicht wegschmeißen wollen (Die sind doch noch gut! Die gehen doch noch!), war allerdings felsenfest davon überzeugt, dass ich sie nie brauchen würde. So sicher bin ich mir da inzwischen nicht mehr. Gebt mir mal noch zehn, fünfzehn Jahre.

Inzwischen bin ich mit dem ersten Teil der Jacke nur noch wenige Reihen von der Stelle entfernt, wo ich die Maschen für Rücken und die beiden Vorderteile aufteilen muss. Außerdem sind da dann auch Abnahmen für die Ärmel und den Kragen vorgesehen, da verstehe ich die Anleitung noch nicht so ganz, das muss ich mir nochmal ganz genau anschauen.

Frühlingsjäckchen Knitalong oder: mein zweites Kit

Da sag nochmal einer, ich sei nicht entscheidungsfreudig. Ich habe mit den vier Optionen aus dem letzten Eintrag nur sehr kurz herumgehühnert und mich dann sehr schnell für Livstykketrøje entschieden. Es entspricht einfach am ehesten meinem Stil. Da es diese Anleitung nur als Kit bei geilsk.dk gibt, bin ich in der Wahl des Garnes eingeschränkt: angeboten wird das Muster mit reiner Wolle oder einer Woll-Baumwoll-Mischung (45% Baumwolle, 55% Wolle). Einen Baumwollanteil finde ich für ein Frühlingsjäckchen passender. Die Farbwahl ist allerdings nicht so einfach, schön finde ich sie nämlich fast alle (zum Gucken auf den roten Knopf mit der Aufschrift „FARVEKORT“ klicken) und tragen könnte ich sie vermutlich auch alle. Nun muss sie aber auch zum Kleiderstoff passen, also kann ich noch ein paar Optionen streichen und lande schlussendlich bei C23 – schnell bestellen, sonst überlege ich es mir noch anders!

Die Wolle ist inzwischen da, der Kleiderstoff auch, und die beiden können sich schon mal kennenlernen. Sie verstehen sich gut. Kein Wunder, sie kommen ja auch beide aus Dänemark.

Rechts im Hintergrund ist mein derzeitiger Lieblingsbecher zu sehen. Ich habe ihn vor ein paar Tagen bei Tee Gschwendner gesehen, wie er da so stand zwischen all den anderen Bechern mit unschuldigen Kätzchen, Schmetterlingen, Blümchen, Hündchen und Fischen, und hab ihn im Affekt gekauft. Auf der einen Seite ist eine Zeichnung des menschlichen Skeletts (bone china im doppelten Sinne), auf der anderen Seite eine der Muskeln – komplett mit englischen Fachbegriffen. Ich frage mich, was die Product manager von Dunoon geritten hat, dieses Motiv zu produzieren. Ich mein, ich find’s toll! Aber die Verkäuferin bei Gschwendner war offensichtlich froh, das gruselige Ding los zu sein.

Frühlingsjäckchen Knitalong oder: das Pferd vom Schweif her aufzäumen

Ich habe mich bei Cat-und-Kascha zum Frühlingsjäckchen-Knitalong angemeldet. Knit-Along. Gemeinsam stricken. Hängengeblieben bin ich allerdings als zuerst am letzten Punkt der Agenda: „Präsentation! Für Fortgeschrittene auch gerne mit einem selbstgenähten Drunter“ Ich habe also statt Strickanleitungen erst einmal Schnittmuster gewälzt, meine diversen gehorteten burden (ist das der Plural von burda?), und bin in Ausgabe 5/2010 fündig geworden. Nein, eigentlich noch anders. Vorher bin ich im oben erwähnten Blog auf Stoff und Stil aufmerksam geworden, dort habe ich mich in einem Baumwollstoff verguckt, der ein Frühlingskleid werden muss, und dann habe ich burden gewälzt. Gefunden habe ich das bis auf kleine Raffungen am Dekolleté recht schlicht geschnittene Kleid 138:

Der Stoff ist bestellt, und vermutlich weil bei mir im April ein Unzug ansteht, ist mir auch der Dekokatalog von Stoff & Stil in den Einkaufswagen geraten. Es geht ins Erdgeschoss, ich werde Gardinen brauchen.

So. Kommen wir zur eigentlichen Frage: Was stricke ich denn dazu? Die Wolle werde ich endgültig aussuchen, wenn der Stoff da ist. Ich tendiere farblich zu entweder hell oder dem Rotton aus den Blüten und materialmäßig in Richtung Bauwolle/Leinen/Seide/Bambus – so weit so naheliegend. Und dann geht’s los mit der Optionsparalyse. Mir gefällt Livstykketrøje von Bente Geil. Ich habe von der Designerin bereits Topstykke gestrickt, und ich werde es wieder tun, denn es gehört zu meinen absoluten Lieblingsstücken. Die Anleitung für Livstykketrøje gibt es allerdings offenbar nur auf Dänisch, aber das ist kein so großes Problem, denn Ende des Monats fängt mein Dänischkurs wieder an. Ebenfalls sehr schön finde ich Devonshire von Twist Collective und Vignette und Ivy aus der Knitty:

… das wird keine leichte Entscheidung.