Wollmarkt

wollmarktbeute
Am Wochenende war ich, wie ich im letzten Eintrag schon erwähnte, in München. Anlass und Ziel war ein Besuch des Wollmarkts in Vaterstetten, verbunden mit einem Treffen mit Ravelry-Buddies aus dem süddeutschen Raum. Und was dann an Aktivitäten drumherum noch geht, wollte ich vor Ort sehen. Kurz hatte ich überlegt, auch noch bei der Wollmeise vorbeizuschauen, deren Laden an diesem Wochenende geöffnet war, aber das schien mir bereits beim ersten groben Überschlagen der S-Bahn-Fahrtzeiten ein bisschen viel zu werden. Also fiel die Entscheidung: nur Wollmarkt. Und das war eine gute Idee. Ich konnte in Ruhe über den Markt stöbern und mich mit Ausstellern unterhalten. Ich habe nur die geplante Wolle gekauft und den einen oder anderen handgefärbten Strang, der versucht hat, sich an meiner Tasche festzuklammern, tapfer wieder weggelegt.

Geplant war eine Menge Cheeky Merino Joy von Rosy Green Wool, die für eine Jacke reicht, und Material für ein Tuch. Ich wollte explizit Rosy Green Wool, nachdem ich ein Interview mit Rosy im Podcast der nahlinse gehört hatte, in dem ich erfahren habe, dass die eigentlich genau die Wolle herstellen, die ich verstricken will. Superweich, schöne Farben, GOTS-zertifiziert, was das derzeit strengste Öko-Siegel zu sein scheint, das nur vergeben wird, wenn jeder einzelne Produktionsschritt stimmt – von der Tierhaltung über die Arbeitsbedingungen bis hin zur Verträglichkeit der Farbe.

Gekauft habe ich also fünf Stränge in der Farbe „Brombeersorbet“ für einen Water & Stone Cardigan von Veera Välimäki und zwei Stränge „Pure“ 100% Angora von Seidenhase. Das ist wirklich purer Luxus. Und auch Seidenhase achtet darauf, dass es den Tieren gut geht. Daraus werde ich ein Tuch von Martina Behm stricken, Knit your Love. Das Problem ist nun, dass ich am liebsten beide sofort anstricken würde, und das geht natürlich nicht. Abgesehen davon sollte ich erstmal die angefangenen Projekte abschließen. Irgendwann, bald, demnächst bin ich soweit. Dass ich erst Wolle kaufen gehe, wenn das letzte Projekt abgeschlossen ist, und dann darf ich auch sofort anfangen.

Lebenszeichen

11838631_486377461530655_4230960559184169011_oSeit Mai ist hier schon Funkstille, ich dachte mir, ich geb mal ein Lebenszeichen von mir. Viel hab ich gar nicht zu berichten. Ich habe ein paar kleine Projekte fertiggestellt, aber nichts, wofür ein eigener Post gelohnt hätte: ein paar Socken für den Mann, eine Jersey-Schlunzhose aus drei simplen Teilen für mich. Und den Wellenschlag auf dem Foto, der auf halber Strecke dann doch ein Sonnenfeuer geworden ist. Dieser Strang Wollmeise in Vergissmeinnicht lagerte bereits seit 2010 in meinem Stash und anlässlich der „Alt aber oho!“-Challenge in der Podcasting auf Deutsch-Gruppe auf Ravelry hab ich ihn rausgeholt und verarbeitet. Das Muster ist „Sonnenfeuer“ von Jana Huck, ich habe genau einen Strang Wollmeise Pure verbraucht, ich war anfangs etwas unsicher, ob der eine Strang reichen würde, denn die anderen haben mehr benötigt. Aber das gilt möglicherweise für eine größere Nadelstärke. Ich hab 3 verwendet, und es hat gepasst.

Morgen fliege ich übers Wochenende nach München und besuche Deutschlands größten Wollmarkt in Vaterstetten. Wie das mit dem Vorsatz, dieses Jahr nichts zu kaufen zusammenpasst? Nun, wenn ich mir nichts unter Verwendung der Urlaubsregel zurechtmogle: gar nicht. Wie der Stoffmarkt letzten Monat übrigens auch. Hoppla. Ich bin nicht zu 100% konsequent, es sind mehr so 80%. Ich merke aber, dass sich mein Bewusstsein durch diesen Vorsatz verändert hat. Ich denke einmal öfter über Käufe nach. Ich schaufle immernoch euphorisiert Bücher, Filme und Dinge, auf die ich aufmerksam werde, in meinen amazon-Einkaufskorb – aber ich drücke nicht sofort „jetzt bestellen“, sondern lasse sie bis zu meinem nächsten Besuch darin liegen. Verschiebe sie auf die Merksliste. Und da liegen sie dann. Und von Zeit zu Zeit gucke ich die Liste durch, übertrage die Titel in meinen Online-Merkzettel bei der Leihbücherei, und wenn ich in einer der Bücherhallen bin und etwas davon gerade im Bestand ist, nehme ich es mit. Oder ich blättere rein und stelle es wieder ins Regal, weil ich feststelle, dass es mir nicht gefällt, mich nicht mehr oder gerade jetzt nicht interessiert. Newsletter von anderen Online-Shops lösche ich ungelesen, das fiel mir aber noch nie schwer. Manchmal hab ich Lust, reinzugucken, deswegen hab ich sie noch nicht abbestellt. Dann gucke ich rein, denke mir „hübsch!“ (oder nicht) und lösche sie dann.

Für morgen habe ich einen Plan. Und einen Einkaufszettel. Und die ec-Karte kriegt der Mann zur sicheren Verwahrung. Und wenn ich angesichts der wunderbaren Wollangebote doch in einen Shopping-Berserkerwahn verfalle, dann ist das so und dann werde ich jede Minute genießen und es anschließend kleinlaut hier gestehen. Und aus den 80% werden dann möglicherweise 70%. Gut genug.