Qualität statt Quantität

Ich möchte dieses Jahr nicht nur weniger kaufen. Ich möchte insgesamt meine Aufmerksamkeit, meine Energie, meine Zeit und mein Geld auf die Menschen und Dinge konzentrieren, die mir wirklich wichtig sind. Das Thema beschäftigt mich, seit eine Freundin mich Silvester 2013 auf ein Gespräch von SWR1 mit Prof. Niko Paech (Link führt zu Youtube) aufmerksam gemacht hat (Zitat daraus zu der Tatsache, dass jede(r) Deutsche im Durchschnitt 10.000 Gegenstände besitzt: „Wo wollen wir eigentlich die Zeit und die Konzentration und die menschliche Aufnahmekapazität hernehmen, um das alles so stressfrei zu genießen, dass am Ende ein Effekt dabei herauskommt, den man mit Recht und Fug Glück nennen kann? Das geht nicht, und deswegen sind wir gestresst. Deswegen bedeutet weniger konsumieren nicht Verzicht, es ist Selbstschutz, um uns sozusagen vor Überforderung zu retten.“). Und von einer anderen Freundin bekam ich den TED Talk des Psychologen Barry Schwartz zum Paradoxon der Wahlmöglichkeiten ans Herz gelegt.

Nun habe ich vor einiger Zeit eine „Minimalismus*-Challenge“ im Netz gefunden (auf Into Mind). Dreißig Tage, dreißig kleine oder nicht ganz so kleine Aufgaben. Manche sehen nur klein aus. Mit einigen der Aufgaben kann ich nichts anfangen, die sortiere ich aus. Einiges gehört ohnehin schon zu meinen Gewohnheiten. Die Vorgehensweise – ein Tag, eine Aufgabe – ist für manche der Aufgaben schlicht Blödsinn: z.B. eine Viertelstunde meditieren, eine Morgenroutine entwickeln, eine entspannende Abendroutine entwickeln – so etwas braucht Zeit und Wiederholung. Eine gute Inspiration ist diese Liste jedoch allemal.

Ich habe mir also ein paar Rosinen herausgepickt. Einigen davon möchte ich nicht nur einen Tag zu widmen, sondern sie eine komplette Woche täglich ausprobieren, um sie dann zu behalten – oder eben nicht. Dazu gehören: täglich fünfzehn Minuten Meditation, ein Morgen- sowie ein Abendritual, ein Achtsamkeitsspaziergang, Tagebuch schreiben. Ich habe mal einige Wochen lang jeden Morgen meditiert und das hat mir sehr gut getan, dann war mein Leben im letzten Herbst etwas sehr stressig, und da ist diese Gewohnheit über die Kante gefallen – war halt noch nicht fest genug angewachsen. Aber eigentlich ist jetzt eine gute Zeit, wieder damit anzufangen.

Andere finde ich als Aufgabe für einen Tag spannend und könnte mir vorstellen, sie mir in regelmäßigen größeren Abständen zur Gewohnheit zu machen. Zum Beispiel einen kompletten Tag offline zu bleiben oder regelmäßig „Single-Tasking“ zu üben – das ist zum Beispiel eine der Aufgaben, die nur klein aussehen – ich finde das sauschwer. Dabei lohnt es sich, das zu praktizieren, denn Multitasking ist weder effektiv noch gesund („Wie viel Ablenkung verträgt das Gehirn“ – Artikel bei NDR Info).

Ausmisten – sei es mein EMail-Postfach, meine Bookmarks, mein Kleiderschrank, meine Kontakte in sozialen Netzwerken, mein Bücherregal, Vereinsmitgliedschaften oder mein Badezimmer-Fach – gehört schon zu den Dingen, die ich regelmäßig mache. Meine Ziele und Prioritäten kommen in unregelmäßigen Abständen auf den Prüfstand. Vielleicht wäre das eine gute regelmäßige Gewohnheit – manchmal warte ich zu lange damit, mich von einem Ziel, das nicht mehr passt, zu verabschieden, manchmal verliere ich Ziele aus den Augen. So weit, so normal, denke ich. Das ist dann so und das ist in Ordnung. Ich glaube, man kann sich mit der „Selbstoptimierung“ auch ganz schön stressen. 90% reichen. Dicke.

* „Minimalismus“ – das Schlagwort hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm. Es passt schon, klingt mir persönlich aber zu sehr nach „Quantität statt Qualität“. Ich hätte eher „Fokus“ gewählt. Nicht „so wenig wie möglich“, sondern „Konzentration auf das Wesentliche“.

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